Krisenkommunikation nach dem Crowdsourcing-Prinzip

18.01.2011

Ushahidi.com

Als nach den Wahlen in Kenia Ende Dezember 2007 Gewaltausbrüche bekannt wurden, hat sich ein Team aus Bloggern eine ganz besondere Art der Krisenkommunikation ausgedacht und die Internet-Plattform Ushahidi.comentwickelt. Die Idee vereint das Crowdsourcing-Prinzip mit einem gemeinnützigen Zweck: Krankheitsepidemien, Gewaltausbrüche und Folgen von Naturkatastrophen auf der ganzen Welt sollen für Hilfsorganisatoren, Journalisten und die Bevölkerung transparent erfasst werden.

Das Wort „Ushahidi“ bedeutet Zeugenaussage auf Swahili und bietet eine gute Beschreibung des Prinzips der Plattform. Die Idee ist, alle Berichte, Bilder und Meldungen zu bündeln und quasi in Echtzeit auf einer virtuellen Karte im Internet zur Verfügung zu stellen, um so möglichst schnell auf die Vorfälle reagieren zu können. Ganz nach dem Motto „Einer ist immer zuerst da“, kann jeder einzelne mitwirken und Vorfälle melden. Die (Augenzeugen-) Berichte können in fast jeder elektronischen Form gesendet werden – angefangen mit einer E-Mail oder per Kontaktformular auf der Internetseite, über Text-, Foto- und Video-Nachrichten vom Handy, bis hin zu einer Twitter- oder Facebook-Nachricht. Mit Hilfe von Journalisten, Nichtregierungsorganisationen und Bloggern werden die gemeldeten Vorfälle verifiziert, bevor diese dann auf der virtuellen Karte veröffentlicht werden. Diese Real Time Life Map kann jeder, über seinen internetfähigen Computer oder sein Handy abrufen. Unlängst hat sich für diese Art der Krisenkommunikation sogar schon ein bestimmter Begriff ausgeprägt: Crisis Mapping.

Aus dem anfänglichen Projekt hat das Team um Ushahidi eine Software entwickelt, welche sich jeder kostenlos auf der Webseite www.ushahidi.com herunterladen und für eigene Zwecke benutzen kann. Ganz nach dem Crowdsourcing-Prinzip soll die Masse da Qualität schaffen, wo es der Einzelne nicht vermag. Im Jahr 2010 war die Software schon weit verbreitet und im Mai diesen Jahres wurde Ushahidi mit dem Best-of-Blog-Award geehrt. „The Deutsche BoB award was an honor to receive“, sagt Erik Hersman, einer der Mitbegründer der Plattform, „We didn’t expect it to be such a big deal when we started in January 2008 – we were only thinking of solving our own problem in Kenya.” Bei der Gründung der Plattform bestand das Team aus vier leidenschaftlichen Bloggern, die erkannt haben, dass besonders in Zeiten der Krise das Kommunizieren dergleichen von großer Bedeutung ist. Erik Hersman ist davon überzeugt, dass Ushahidi der Masse eine Stimme gibt, von der wir alle profitieren können: „The Ushahidi platform is important because it is changing the way information flows. It gives a voice to people who were largely being ignored, and allows everyone to have a more holistic view of an ongoing event, be it an election, hurricane aftermath or tracking drug stockouts.”

Viele Organisationen benutzen heute die Software von Ushahidi für ihre Zwecke. Der arabische Sender Al-Jazeera zum Beispiel visualisierte damit Vorfälle während des Gaza-Kriegs 2008/2009. Im Ost-Kongo-Konflikt half Ushahidi dabei, Kampfgebiete zu lokalisieren und auch bei der Erfassung der Schweinegrippe-Fälle half der Dienst weltweit. In Haiti sammeln Hilforganisationen mittels der Software Informationen über die Folgen des Erdbebens und die aktuelle Cholera-Ausbreitung.

Krisenkommunikation nach dem Crowdsourcing-Prinzip wird heutzutage immer populärer. Ein Kinderkrankenhaus in Boston zum Beispiel hat die Health.Map.org geschaffen. Was genau sich aber dahinter verbirgt, verraten wir im nächsten Blogbeitrag!

Dieser Artikel wurde am 18.January 2011 von judith geschrieben.

von: Judith Schröder

Judith Schröder, Support & Recruiting