Krisenkommunikation nach dem Crowdsourcing-Prinzip Teil 3

09.03.2011

Krisen CrowdsourcingDie Welt war schockiert, als am 20. April des letzten Jahres die BP Tiefsee-Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexico explodierte. Nach Angaben der US-Regierung flossen Tag für Tag zwölf Wochen lang mehr als 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer bis das defekte Bohrloch am 86. Tag dann mit einer riesigen Kappe provisorisch abgedichtet wurde. Anfang August konnte Schlamm und Zement von oben in das Bohrloch gepumpt werden, um es zu verschließen.

Entlastungsbohrungen, die von Mitte Mai bis Mitte September liefen, halfen noch mehr Schlamm und Zement einzufüllen und so die Ölquelle endgültig zu versiegeln. Die Folgen der Katastrophe waren entsetzlich. Bei der Explosion selbst kamen elf Arbeiter der Besatzung ums Leben. Wie Greenpeace berichtete, lebten in der von der Ölkatastrophe unmittelbar betroffenen Region über 8.000 Tier- und Pflanzenarten. Mehrere Tausend tote Tiere, darunter Vögel, Schildkröten, Delphine und ein Wahl, wurden gefunden. Auch die wirtschaftlichen Folgen waren verheerend: Fischer wurden arbeitslos und die Tourismusindustrie erlitt schwere Schäden.

Die Ölkatastrophe traf den Konzern BP unerwartet und hart. Noch heute muss das Unternehmen mit den Folgen der Explosion und vor allem der Schuldfrage kämpfen: es regnet etliche Klagen, darunter zahlreiche Schadensersatzansprüche. Wie hat der Konzern aber im April reagiert, als die größte Ölkatastrophe der Geschichte unvorhergesehen passierte? Auf die Schwere der Folgen war niemand vorbereitet – eine Lösung war nicht in Sicht, musste aber schnellstmöglich gefunden werden.

Mit Crowdsourcing gegen die Ölpest. Das war die Idee des BP-Konzerns. BP entwarf eine Strategie, um die Ideenfindung und Problemlösung auf alle Menschen auszulagern und entwickelte die Website www.alternativeresponsetechnology.com. Das Ziel der Website: Lösungsvorschläge gegen die Krise sammeln. Jeder, der selbst etwas gegen die Ölkatastrophe tun wollte, oder einfach eine gute Idee hatte, wie man gegen die Ausbreitung der Krise vorgehen könnte, hatte nun die Möglichkeit seine Vorschläge, sei es eine ausgetüftelte Technologie oder eine bloße Idee, direkt an BP zu richten. In einem Formular, der „Alternative Response Technology Inquriy Form“, oder auch telefonisch konnte jeder, der sich an der Aktion beteiligen wollte, seinen Lösungsvorschlag gegen die Krise genauestens beschreiben. Hierbei durften bestimmte Angaben, beispielsweise zum Equipment oder zu den zu erwartenden Materialen, nicht fehlen. Ein Expertenteam analysierte dann die eingehenden Ideen auf Eignung und Umsetzbarkeit.

Einzelne Menschen, aber auch Unternehmen, wie zum Beispiel Clean Beach stellten ihre Ideen auf der Website online. So konnte Clean Beach mit einer eigenen Sandreinigungstechnologie das Expertenteam überzeugen. Das System, das auch zum Einsatz kam, sitzt auf einem Anhänger und separiert mechanisch Öl und Sand. Mehrere Tausend Vorschläge erreichten den Konzern und BP konnte viele berücksichtigen und auch umsetzen. Kritiker sahen die Website als Versuch, das Image des Konzerns nach der Krise aufzuwerten. Dennoch hat diese Art der Krisenkommunikation viele Menschen angesprochen und die Masse konnte sich an der Lösungsfindung beteiligen.

(Image by flickr user ideum)

Dieser Artikel wurde am 09.March 2011 von judith geschrieben.

von: Judith Schröder

Judith Schröder, Support & Recruiting