Kunst und Crowdsourcing

04.04.2011

Die Masse gestaltet ein Werk – ein innovativer Kunstgedanke. Doch kann man Kunst und Crowdsourcing wirklich miteinander verbinden? Wie Kunst durch Crowdsourcing geschaffen werden kann und wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen, zeigen verschiedene Projekte.

Als Mechanical Turk noch eine neue Idee war, startete Aaron Koblin, Designstudent an der University of California, einen künstlerischen Feldversuch: Er ließ von der Masse 10.000 Schafe, die zur linken Seite schauen sollten, zeichnen. thesheepmarket.com zeigt sein Ergebnis.

Das Brooklyn Museum in New York widmete im Jahr 2008 dem Thema Crowdsourcing eine ganze Ausstellung. Das Museum stellte eine Fotokollektion unter dem Namen „Click!“ zusammen. „Click!“ war ein Experiment, das auf dem Bestseller „The Wisdom of Crowds“ von James Surowiecki basierte. Surowiecki zeigte, dass eine vielfältige Crowd oftmals klügere Entscheidungen trifft als eine Einzelperson. Die Exhibition „Click!“ versuchte diesen Gedanken auf die visuelle Kunst zu übertragen. Zunächst forderte das Brooklyn Museum Fotografen auf, Bilder zum Thema „Changing Faces of Brooklyn“ mit einem Künstlerstatement auf elektronischem Wege einzureichen. Besucher und Foto-Fans konnten in einem Online Forum entscheiden, welche Bilder dann tatsächlich ausgestellt werden sollten. Hierzu konnten Interessierte in einem Evaluationsbogen auch Angaben zu ihrer Erfahrung mit und ihrem Wissen über Kunst machen. Ergebnisse der Ausstellung sind unter:brooklynmuseum.org zu sehen.

Corinne Vionnet, eine Künstlerin aus der Schweiz, hat in ihrer Sammlung „Photo Opportunities“ durch Online-Crowdsourcing hunderte Schnappschüsse von bekannten Sehenswürdigkeiten zusammengetragen. Für viele unter uns bedeutet Sightseeing auch Fotografieren. Wir reisen, besichtigen interessante neue Orte und wir schießen ein Foto – das konnte Corinne Vionnet mit ihrer Fotoserie zeigen.
Im Internet sammelte sie verschiedene Fotosouvenirs von einer Sehenswürdigkeit. Man möchte annehmen, dass sich diese Schnappschüsse untereinander sehr unterscheiden. Gehören wir doch alle zu den Millionen an Hobbyfotografen und sind alle individuell unterschiedlich – fotografieren also auch alle etwas anders.
Kunst und Crowdsourcing Die im Web gefundenen Fotos legte Vionnet in verschiedenen transparenten Schichten aufeinander. Ihre Foto-Serie ist auf ihrer Homepage: corinnevionnet.com zu sehen. Erstaunlich ist nun, dass sich die Schichten nicht sehr unterscheiden und die Touristen meist aus der gleichen Perspektive die jeweiligen Sehenswürdigkeiten für ihr Fotoalbum eingefangen haben. Da kommt die Frage auf: Wieso fotografieren wir instinktiv ein Gebäude aus einem bestimmten Blickwinkel heraus? Ist die Masse in einigen Situationen doch gar nicht so vielfältig?

(Images by the Empty Quarter Fine Art Photography: Corinne Vionnet Selected Works)

Dieser Artikel wurde am 04.April 2011 von judith geschrieben.

von: Judith Schröder

Judith Schröder, Support & Recruiting