Mogelpackung ade – Verbraucherschutzportal setzt auf die Crowd

29.07.2011

Verbraucherschutzportal setzt auf die Crowd„Fruchtjoghurt“ ohne Frucht, „Schafskäse“ aus Kuhmilch und ein „leichter Snack“, der sich als Zuckerbombe entpuppt: Wer im Supermarkt Lebensmittel kauft, muss oft das Kleingedruckte studieren. Viele Hersteller stellen ihre Produkte besser dar, als sie sind. Und das ist nicht nur unfair dem Verbraucher gegenüber, sondern kann auch richtig gefährlich werden – wenn sich nämlich in der Schlagsahne unbemerkt Alkohol versteckt oder die Schokolade Spuren von Nüssen enthält, die Allergien auslösen können.

Vorschriften und Richtlinien zur Kennzeichnung von Lebensmitteln gibt es viele. Doch wer soll deren Einhaltung kontrollieren, bei den Massen an Produkten, die mittlerweile unsere Supermarktregale füllen? Die Verbraucherzentralen in Deutschland und das Bundesministerium für Ernährung und Verbraucherschutz haben darauf jetzt eine Antwort gefunden: Sie suchen Hilfe bei der Crowd!

Ab sofort kann jeder Verbraucher auf der Internetplattform www.lebensmittelklarheit.de Produkte melden, die seiner Meinung nach täuschend verpackt sind oder falsch beworben werden. Von der zu klein geschriebenen Inhaltsliste über falsche Abbildungen bis zur zu großen Verpackung für zu wenig Inhalt: Die Betreiber des Portals nehmen die Meldungen entgegen, prüfen sie und stellen ggf. die Produkte mit Foto und einer Stellungnahme des Herstellers online.

Die Lebensmittelindustrie fürchtet die Prangerwirkung der Seite und äußert gar Zweifel an deren Rechtmäßigkeit. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner dagegen sieht das Portal als Chance. „Ich will einen seriösen Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft anstoßen. Dialog ist das Gegenteil von Pranger“, sagte sie gegenüber der Tagesschau. In einigen Fällen zeigte dieser Dialog schon Wirkung. Auf www.lebensmittelklarheit.de finden sich nämlich bereits Lebensmittel, deren Aufmachung nach den Hinweisen des Portals geändert wurden. So zeigt beispielsweise die Verpackung einer Hackfleischmischung jetzt deutlich die „Zugabe von pflanzlichem Eiweiß“ an, ein Hersteller änderte gar die Rezeptur seines Kaffees. Weitere Firmen haben Änderungen zumindest angekündigt.

Wieder einmal setzt die Politik also auf die Zusammenarbeit der Crowd. Und wieder einmal zeigt diese Wirkung. Die Masse der Verbraucher will sich nicht länger täuschen lassen. Und viele Käufer verbessern den Brei.

Dieser Artikel wurde am 29.July 2011 von tina geschrieben.

von: Ann-Kristin Schäfer

Ann-Kristin Schäfer, Support & Recruiting