Wenn Zeitungsleser zu Investigativjournalisten werden

25.08.2011

Tausende E-Mails der früheren Gouverneurin Sarah Palin werden zurzeit mittels einer beispiellosen Medienaktion öffentlich analysiert.

Die Regierungsbehörden des Staates Alaska haben nach nunmehr drei Jahren seit ihrer Kandidatur über 24.000 Seiten an E-Mails von Sarah Palin, ehemalige Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska, veröffentlicht. Das mediale Interesse an diesen E-Mails ist immens. Könnten sie tatsächlich pikante Informationen über Palins Amtsführung vor ihrer Kandidatur für das Amt der US-Vizepräsidentin bei der Wahl 2008 preisgeben?

Die Behörden stellten die Medien allerdings vor eine Herausforderung. So ganz einfach sollte es nicht sein, an die entsprechenden Informationen zu gelangen: Die E-Mails wurden ausschließlich in Papierform veröffentlicht und zudem in Kisten in der Hauptstadt Juneau verstaut, die nur über Wasser oder aus der Luft erreichbar ist. Genau Sechs Kisten für jede Medienanstalt, die das E-Mail-Sammelsurium angefordert hat.

Nach einem schweren Transport zurück in die Redaktionen standen die Journalisten jedoch vor einer noch heikleren Aufgabe: die Analyse von 24.000 Seiten. Um diese Aufgabe zu bewältigen, kamen selbst ressourcenstarke Redaktionen, wie zum Beispiel die des Guardian oder der New York Times, nicht umhin, auf externe Hilfe zurückzugreifen. So hoffte der Guardian auf die Mithilfe der Crowd – genauer gesagt der eigenen Leserschaft. Auf der Internetseite des Guardian wird die Crowd aufgefordert, sich an der Datananalyse zu beteiligen.

Hier werden Leser zu Investigativjournalisten, denn sie können sich einzelne E-Mails ansehen und über das ausfüllen eines kurzen Fragebogens, entscheiden wie interessant, beziehungsweise verdächtig eine E-Mail ist. Wenn der Leser findet, dass die E-Mail besonders delikates Material beinhaltet, hat dieser zudem die Möglichkeit, die Informationen zu tweeten oder via E-Mail direkt an die Redaktion zu senden.

Sarah PalinBisher wurden auf diesem Wege 21.705 Seiten erfolgreich ausgewertet, davon wurden 8.506 als uninteressant eingestuft und knapp 2.700 als persönlich. Natürlich meldeten sich auch kritische Stimmen zu Wort: Viele der E-Mails seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, gäben private Informationen preis.

Aber selbst Tim Crawford, Finanzleiter des Wahlvereins Sarah PAC sah in den E-Mails etwas Positives. „The emails detail a Governor hard at work. Everyone should read them.“, sagte er gegenüber den Medien, als die Palin-E-Mails am Freitag, den 10. Juni veröffentlicht wurden.

Wer mehr über „The Sarah Palin emails“ erfahren möchte, kann auf www.guardian.co.uk die Analyse der E-Mails verfolgen oder selbst noch eine ungelesene E-Mail auf “skandalöse” Hinweise prüfen.

Stand der Auswertung am 24. August 2011,
Quelle: www.guardian.co.uk

Dieser Artikel wurde am 25.August 2011 von judith geschrieben.

von: Judith Schröder

Judith Schröder, Support & Recruiting