Publizieren mit Crowdfunding – Teil II

18.10.2011
So unterstützt die Crowd die journalistische Berichterstattung

„Journalismus dient der Öffentlichkeit“, bekommen Journalismusstudenten in der ersten Stunde zu hören. Ich weiß, wovon ich spreche, ich bin Journalismusstudentin. Dass das aber heute nicht mehr so einfach ist, wie früher, beweisen die roten Zahlen der Zeitungswirtschaft. Eines der größten Probleme heutzutage ist auch hier die Finanzierung. Verlage fusionieren, Zeitungen und Magazine werden eingestellt. Das Interesse der Anzeigenkunden an Printmedien sinkt im Zuge neuer Medien immer weiter. Aufwendige Recherchen sind daher kaum mehr möglich.

Gut, dass es die Crowd gibt!

Die Crowdfundingplattform „SpotUs“ hat es sich daher zum Ziel gemacht, der angeschlagenen Industrie wieder auf die Beine zu helfen und investigativen Journalismus weiterhin zu fördern.
Seit der Gründung im Jahre 2008 wurden bereits 190 journalistische Projekte über das Portal von der Crowd vergeben und finanziert. Das Prinzip ist dabei ebenso simpel wie genial:

Die 9000 registrierten Mitglieder posten Ideen für journalistische Artikel, Audio- oder Videobeiträge, die sie gerne recherchieren und schreiben würden („Pitch“) oder verweisen auf interessante Themen, die für andere Autoren eventuell interessant sein könnten („Tipp“). Meist handelt es sich dabei um politische, soziale oder umweltpolitische Themen. Einen „Pitch“ oder einen „Tipp“ kann jeder posten. Unter den Usern befinden sich Journalisten, Pulitzerpreisträger, aber auch Highschool-Schüler.

Jeder Schreiberling legt selbst fest, wie viel Geld er für die Recherche seines Projektes benötig. Die Crowd kann dann für die Umsetzung spenden, in der Regel zwischen 10 und 20 US-Dollar, ein einzelner Investor kann aber niemals mehr als 20% der Gesamtsumme beisteuern. Damit wird die Unabhängigkeit des Autor von den Investoren gewährleistet. Der fertige Text wird auf SpotUs veröffentlicht und darf von jedem verwendet werden, solange der Autor kenntlich gemacht wird.

Auch Nachrichtenagenturen und andere Organisationen können sich an der Finanzierung beteiligen. Übernimmt eine Agentur dabei 50% des für eine Umsetzung benötigten Betrages, sichert sie sich gleich auch die Erstveröffentlichungsrechte. Mittlerweile nutzen SpotUs auf diese Weise auch Zeitungsredaktionen. So wollte die freie Journalistin Sheila Regan einen spannenden Artikel für die lokale Nachrichtenseite „TC Daily Planet“ schreiben, die sich eine intensive Recherche aber nicht leisten konnte. Weil die Story die User dennoch überzeugte, steuerten Sie den fehlenden Betrag bei und die Redaktion konnte den Artikel letztlich veröffentlichen.

SpotUs trägt mittlerweile echt Früchte

SpotUs Founder David CohnBereits sieben Projekte, die über SpotUs finanziert wurden, erhielten bedeutende Auszeichnungen, wie den „Freedom of Information Award“!

Und das sind die bekanntesten Artikel:
Vergewaltigung in der US-Armee
Indianerkriege in Minnesota
Korruption in den obersten Kreisen der Universitätsverwaltung

Kürzlich kam eine weitere Option hinzu

Medien- und Marktforschungsunternehmen können ebenfalls anbieten, für einen bestimmten Themenvorschlag zu spenden, wenn der User im Gegenzug an einer Umfrage teilnimmt. So können Mitglieder auch für Ideen spenden, ohne ihr eigenes Geld zu investieren.

Dieser Artikel wurde am 18.October 2011 von patricia geschrieben.

von: Patricia Schiel

Patricia Schiel, Support- & Recruiting