Neues Social-Media-Experiment des „Guardian“

04.11.2011

Die beliebte britische Tageszeitung „The Guardian“ hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass es sich lohnt, offen zu sein für Online-Innovationen und Social-Media-Aktivitäten im Netz (siehe auch: Wenn Zeitungsleser zu Investigativjournalisten werden). Jetzt überrascht die Zeitung mit einem neuen Social-Media-Experiment und öffnet der Crowd die Türen zu ihrem Newsdesk.

Das Potenzial der Crowd

Seit dem 10. Oktober veröffentlicht die britische Tageszeitung ihre Newslist in Tabellenform mithilfe von „Google Docs“ auf ihrem Internetauftritt: The Guardian und fordert ihre Leserschaft dazu auf, sich aktiv an der Planung der Themenauswahl zu beteiligen.

Dass das Experiment gewagt ist, steht außer Frage. So erlaubt der “Guardian” auch der eigenen Konkurrenz Einblicke in die geplanten Nachrichten. Dennoch sehen die Redakteure das Experiment als große Chance: „What if all those experts who delight in telling us what’s wrong with our stories after they’ve been published could be enlisted into giving us more clues beforehand? What if the process of working out what to investigate actually becomes part of the news itself?”, argumentiert Dan Roberts, Redakteur “National News”. Zudem bleiben die ganz pikanten, exklusiven Nachrichten unter Verschluss – nicht zuletzt weil sich die Themen noch in der Recherche befinden und bei jeder Veröffentlichung auch rechtliche Fragen sensibel behandelt werden müssen.

Türen öffnen zum Newsdesk

Was genau kann die Crowd also einsehen? Die Newslist umfasst eine sorgfältig ausgesuchte Auswahl geplanter Themen, Ankündigungen, Reden und Pressekonferenzen. Über die Google Docs Tabellen kann man geplante Nachrichten der folgenden Ressorts einsehen: UK News, International News, Business & Economics und Sport News. Grundsätzlich ist die Online-Newslist vergleichbar mit der Nachrichtenvorschau von Agenturdiensten. Die Tabelle zeigt jedoch in „real time“, welcher Redakteur wann an einem Thema arbeitet. So erfährt die Leserschaft ein bisschen mehr darüber, wie die Arbeit einer Zeitungsredaktion aufgebaut ist.

Twitter: #opennews

Das Projekt stützt sich auf den Social-Media-Dienst Twitter. Wer seine Meinung, Idee oder seine Vorschläge an die Redakteure des Newsdesk-Teams senden möchte, kann über den Hashtag #opennews einen Tweet senden und so live an der Themenplanung teilnehmen oder die mit den einzelnen Themen betrauten Journalisten direkt antweeten. Die Idee ist es, eine offene Diskussion zu ermöglichen und so die Leserschaft an der Gestaltung der Tageszeitung zu beteiligen.

Weiterlesen

Ist es nun eine Bereicherung für die Berichterstattung, wenn Leser bei der Auswahl helfen und mitentscheiden, welche Themen es “wert sind” weiter verfolgt zu werden oder gibt der Guardian mit diesem Experiment doch zu viel preis? Die Antwort hierauf wird sich wohl im weiteren Verlauf des Projekts herausstellen. Verfolgen doch auch Sie das Projekt auf guardian.co.uk und erfahren Sie mehr.

Dieser Artikel wurde am 04.November 2011 von judith geschrieben.

von: Judith Schröder

Judith Schröder, Support & Recruiting