Mücken jagen für die Wissenschaft

14.06.2012

Wer kennt das nicht: Man saß an einem Sommerabend auf dem Balkon, hat einen Waldspaziergang gemacht oder vor dem Schlafengehen bei Licht das Zimmer gelüftet. Am nächsten Morgen schließlich eine juckende Stelle. An den Armen, Beinen oder im Gesicht: Ein Mückenstich. Stich ist aber nicht gleich Stich und Mücke nicht gleich Mücke. Welche Mückenarten in Deutschland überhaupt vorkommen, weiß bisher niemand so genau. Das soll sich jetzt ändern, mithilfe verschiedener Forschungsinstitute und der Crowd.

Auf der Internetseite mueckenatlas.de soll bald eine Karte anzeigen, welche Mückenart sich in welchen deutschen Regionen heimisch fühlt. Dazu sind die Internetnutzer gefragt; und zwar nicht digital sondern ganz praktisch – als Mückenjäger. „Setzt sich eine Mücke irgendwo ab, z.B. an der Wand oder auf Ihrem Arm, stülpen Sie das Gefäß einfach über sie, Deckel drauf und fertig. Der nächste Schritt ist das Abtöten der gefangenen Mücken. Dazu platzieren Sie das Gefäß mit den Mücken im Gefrierfach und lassen es dort bis zum nächsten Tag. Anschließend muss Ihre Beute nur noch zu uns gelangen“, heißt es auf der Homepage, die von verschiedenen Forschungsinstituten gemeinsam ins Leben gerufen wurde. In ein vorgedrucktes Formular sollen Fundort und –zeit eingetragen werden; ob der Finder auf der Homepage namentlich erscheinen möchte, kann er ebenfalls angeben.

Doch nicht nur der Jagddrang des Menschen und die Neugier der Forscher sollen durch das Projekt befriedigt werden. Hinter der Idee steckt ein ernstgemeintes Forschungsinteresse. „Da Stechmücken in Deutschland wissenschaftlich lange vernachlässigt wurden, fehlt grundlegendes Wissen über das Vorkommen und die Verbreitung der verschiedenen Arten. […] Einige Stechmücken und andere blutsaugende Insekten sind in der Lage, Krankheitserreger zu übertragen“, erklären die Forscher auf ihrer Homepage und haben dabei Rückendeckung aus der Politik. Sie arbeiten im Auftrag des Robert-Koch-Instituts und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Bisher waren noch nicht allzu viele Mückenjäger aktiv; die Deutschlandkarte des Mückenatlas zeigt erst 25 Punkte. Doch die Sommersaison kommt und wen demnächst auf dem Balkon die Stechmücken nerven, könnte darüber nachdenken, sie einzufangen, anstatt sie wütend zu erschlagen.

Foto von PeterA / pixelio.de

Dieser Artikel wurde am 14.June 2012 von tina geschrieben.

von: Ann-Kristin Schäfer

Ann-Kristin Schäfer, Support & Recruiting