Frag doch die Crowd – Likes-Sammelaktionen erobern die Social Networks

08.03.2013
Alles begann eigentlich ganz niedlich: die Kinder der Familie Cordell aus Boston wollten gern einen Welpen haben. Vater Ryan sagte zu, dass die Familie tierischen Zuwachs bekommt, sobald die Kinder eine Million Likes auf Facebook erworben haben. Er richtete die Seite „twogirlsandapuppy“ auf Facebook ein und ließ die Geschwister mit einem Pappschild posieren, auf dem alle die Abmachung lesen konnten. Es dauerte genau sieben Stunden, bis eine Million Facebook-User den Wunsch der Kinder erfüllten und „Millie“ (benannt nach seinen Millionen Likes) ins Haus brachten. Diese Aktion brachte nicht nur der Familie einiges an Aufsehen ein, sondern auch gute Publicity für Facebook und die Tierschutzorganisation „North Shore Animal League“, die den Welpen vermittelte.

Die erfolgreiche Aktion, die bis heute knapp 2,7 Millionen Likes einbrachte, war zwar nicht die erste ihrer Art, aber die Aufsehen erregendste. Bereits 2012 hatte ein Siebenjähriger eine Katze von seinen Eltern bekommen, als er 1000 Likes erreichte. 2011 stellte ein ambitionierter Onkel die Aktion bei Facebook ein, mit einer Million Likes würde seine Schwester ihr Kind Megatron nennen. Natürlich ließen weitere Folgeaktionen nicht lange auf sich warten. Ein Norweger sammelte Likes, um mit seiner besten Freundin zu schlafen, eine deutsche Volontärin möchte Chefin für einen Tag werden, ein Fernsehteam möchte Kölsch oder einen freien Tag am Rosenmontag, Kinder wollen mit einer Million Likes ins Disneyland….die Aktionen sind unzählbar.

Die Crowd hat sich somit nicht nur zu einem internationalen und global umfassenden Netz entwickelt, welches Informationen weit verbreitet, Kontakte aufrecht erhält und inzwischen Firmen die Möglichkeit gibt, Aktionen zu promoten, sondern zu einem Instrument von Druck und Entscheidungsfindung.

Natürlich hat man irgendwann genug von diesen Aktionen gesehen und heute werden diese eher verpöhnt als unterstützt. Gegenaktionen wie „Meine Tante aus Wuppertal sagt, wenn wir 1 Mio. Likes bekommen, hören die blöden & sinnfreien “Wenn wir x Likes bekommen”-Schilder endlich auf! HELP US!!!“, erfahren mehr Aufmerksamkeit, doch der losgetretene Trend der Crowd als Druckmittel und Marketinginstrument wird uns vermutlich noch eine Weile mit Likes-Bettelaktionen verfolgen. Die Frage ist nun, ob solche Bettelaktionen bewirken könnten, dass Aktionen, die gemeinnützig sind und Likes brauchen, nun untergehen und, ob Firmen, die Likes verkaufen nun einen Boom erreichen werden. Natürlich ziehen niedliche Geschichten mit kleinen Kindern und Tieren, bei denen dem Vati ein Schnippchen geschlagen wird – in Zeiten des allgegenwärtigen Social Media-Netzes und dem Suchen nach Aufmerksamkeit und der nächsten guten Idee sind solche Züge aber schnell voll von Mitfahrern und entwickeln sich eher zu einer Unstrategie, die dem jeweiligen Profilinhaber oder Unternehmen schaden.

In den letzten Tagen kam sogar noch ein neuer Trend dazu: um die Aktivitäts-Rate ihrer Seite zu erhöhen, wünschen sich Unternehmen möglichst viele Kommentare in möglichst wenig Zeit. Radio Vest zum Beispiel fordert die meisten Kommentare von einem User hintereinander oder ein Nutzer zahlt Geld für Kommentare. Auf der eigenen Seite werden fragwürdige Spamaktionen gestartet, die mitunter sogar gegen Facebooks Richtlinien verstoßen.