Teilen ist in, besitzen ist out

02.04.2013

Spätestens seit die CeBit „shareconomy“ zu ihrem diesjährigen Motto auserkoren hat, ist der Begriff den meisten Internetnutzern geläufig. Ursprünglich wurde der Begriff Share Economy vom Ökonom Martin Weitzman geprägt. Doch auch in Bezug auf das Web 2.0 spricht man schon länger von Shared Economy. Warum sollte man etwas kaufen, wenn das Internet einem die Möglichkeit bietet alles zu leihen, ob gegen Bezahlung oder umsonst. Dank moderner Apps findet man sofort den nächstgelegenen Nutzer, der das passende Gut zu verleihen hat.

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by giulia.forsythe Flikr

Business im Web 2.0

Unter Shared Economy im Netz versteht man das Teilen von Wissen, Inhalten und Daten. Es gibt immer mehr Projekte bei denen das Produkt einer Gruppe oder eines Einzelnen mit der Internet-Community geteilt wird. Das beste Beispiel dafür ist natürlich Wikipedia. Auch Datenmengen werden über Cloud-Systeme mit Mitarbeitern, Kunden und Auftraggebern geteilt. Hier setzt die CeBit an. Laut Pressemitteilung der CeBIT „beschreibt “Shareconomy” die Veränderung des gesellschaftlichen Verständnisses vom Haben zum Teilen.“ Das wirkt sich aber nicht nur auf die Geschäftsbeziehungen im Web, sondern auch auf soziale Interaktionen und Initiativen aus.

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by mikeedesign Flikr

Gegen Die Wegwerfgesellschaft – Collaborative consumption

Mittlerweile werden immer mehr Alltagsgegenstände wie Kleidung, Autos oder elektronische Geräte geteilt und passend dazu gibt es immer neue Plattformen im Bereich der collaborative consumption. Was unter guten Nachbarn oder in Dorfgemeinschaften noch zum normalen sozialen Austausch gehört, wird in der Anonymität der Großstädte durch Apps und Online-Communitys geregelt. Auf Kokonsum kann man Plattformen für das Tauschen und Leihen von Autos und Wohnungen bis hin zu kleinen Alltagsgegenständen finden. Aber auch die großen Unternehmen haben schon längst gemerkt, dass man vieles teilen und dabei noch verdienen kann. Die Bahn bietet auf www.flinkster.de schon seit 2009 einen Car-Sharing-Pool für Ihre Kunden und auch viele andere kommerzielle Anbieter mischen in den Großstädten mit.

In Berlin kann man zum Beispiel nicht nur zwischen vielen Anbietern, sondern auch zwischen vielen Tarifen wählen, je nach dem, ob man viel oder wenig fährt. So kriegt man für 3€ monatliche Grundgebühr einen Kleinwagen für 1,90€/Stunde oder 23€/Tag. Die Autos können nach einmaliger Registrierung an vielen Standorten innerhalb Berlins abgeholt werden. Dazu muss man nur mit Hilfe einer App oder telefonisch einen Wagen reservieren und kann dann den Schlüssel von einem Tresor abholen, den man mit Hilfe des Mitgliedsausweises öffnet. Wenn man das Auto nicht mehr braucht, stellt man es einfach wieder auf einen von der Firma ausgewiesen Parkplatz, schmeißt den Schlüssel in den Tresor und geht nach Hause. Wenn man sich von einem privaten Anbieter einen Wagen leihen möchte zahlt man normalerweise einen Fixpreis für die Tagesmiete, hat aber sonst keine laufenden Kosten. Außerdem kann man so neue Leute in der eigenen Nachbarschaft kennenlernen. Allerdings findet man bisher nicht in allen Städten ausreichende Angebote.

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by boltzr flikr

Ziel vieler kleiner Initiativen ist es, einen Bewusstseinswandel bei den Konsumenten herbeizuführen. Es soll weggehen von der unersättlichen Konsumgesellschaft und hin zu einer nachhaltigen und sozialen Gesellschaft. Dazu kann man sich auch auf der Seite von Work in Progress und der des Collaborative Centre on Sustainable Consumption and Production in Wuppertal informieren.