Krisenkommunikation nach dem Crowdsourcing-Prinzip II

03.05.2013

Die immer gerne zitierte „Weisheit der Masse“ ist nicht unbedingt ein Garant für fundierte und wahrhafte Nachrichten. Besonders bei Naturkatastrophen oder Terroranschlägen sind Nutzer immer schnell mit einem Urteil, angeblichen Bildern und Informationen zur Stelle.

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By florianric @ Flickr.com

So wurde nach dem Attentat auf den Bostoner Marathon ein Student der Brown University angeschwärzt und als Attentäter tituliert, nur weil er längere Zeit nicht an der Uni gewesen war. Folge war eine regelrechte Hexenjagd. Medien griffen die völlig unbegründete Anklage eines Social-Media-Nutzers auf. Das zeigt, dass es für klassische Medien und Hilfsorganisationen immer schwieriger wird, Nachrichten, die über das Internet und besonders die sozialen Netzwerke verbreitet werden, zu verifizieren.


Einsatz bei Naturkatastrophen

Bei großen Naturkatastrophen wie Hurrikanen oder Erdbeben wird oft versucht, anhand von Augenzeugenberichten und Videos Informationen über Überlebende und Hergang des Unglücks zu erhalten. Doch auch das ist schwierig, da niemand die Glaubwürdigkeit der kursierenden Informationen prüft.

Um zukünftig Hexenjagden und Falschinformationen zu vermeiden, wurde der Onlinedienst Verily ins Leben gerufen. Mit Hilfe von Crowdsourcing sollen Nachrichten auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Das Gemeinschaftsprojekt des Masdar Institute of Technology und Qatar Computing Research Institute/QCRI existiert bisher nur in der Beta-Version, doch wird der Launch der Plattform zügig vorangetrieben und soll noch 2013 stattfinden.


So funktioniert verily

Das System von Verily basiert auf einem Belohnungssystem und einer immer größer werdenden Community. Mitglieder der Community können sich – ähnlich wie auf amazon oder ebay- eine positive Reputation aufbauen. Dann können sie weitere Freunde anwerben und somit die Zusammenarbeit zwischen den Nutzern stärken.

Die Beta-Version soll zunächst bei der Nachrichtensammlung zu Naturkatastrophen eingesetzt werden. Es soll getestet werden, ob Nutzer beurteilen können, ob Bilder bearbeitet wurden, oder ob Information der Wahrheit entsprechen. Wer sich in der Einschätzung von Informationen und Bildern bewährt, bekommt positive Bewertungen und wird somit als Quelle immer vertrauenswürdiger. Je höher die Reputation, desto mehr Gewicht bekommt die Meinung eines Nutzers in Zukunft bei der Beurteilung von Informationen.

Beteiligt an dem Projekt ist unter anderem Patrick Meier, der vorher bereits als Direktor bei ushahidi.com tätig war. Mehr Infos hierzu gibt es in unserem Blogartikel vom 18.01.2011 “Krisenkommunikation nach dem Crowdsourcing-Prinzip” lesen.