Katastrophenhilfe aus der Crowd

07.06.2013

In Teilen Deutschlands hat das Wasser in den letzten Tagen die Oberhand gewonnen. Die zweite Jahrhundertflut hat viele Leute ihr Hab und Gut gekostet, dabei ist das Jahrhundert gerade mal 13 Jahre alt. Durch die Nachrichten gehen Bilder von überschwemmten Straßen, Häusern und Schulen, Unis befreien ihre Studenten von Vorlesungen und Klausuren, damit diese helfen können. Die Bewohner der betroffenen Städte arbeiten gemeinsam mit den Helfern gegen die Wassermassen, wobei jede Hilfe dankend angenommen wird, ob nun genähte Sandsäcke, geschmierte Brötchen oder gerettete Möbel.


Auch das Internet wird zur Koordination und Hilfe benutzt. Crowdsourcing hat die Möglichkeit geschaffen, eine weitreichende Kommunikation möglich zu machen, die gezieltere und vor allem mehr Hilfe mobilisiert. Hierbei wird besonders die bei Google Maps bereitgestellte Karte http://bit.ly/12qEXeG genutzt, um gezielt zu helfen und Helfer heranzuholen. Diese wird von einem Team ständig aufgrund von Tipps und Hinweisen aktualisiert. Auf der gesamten Überflutungsstrecke (etwa 40 km) kann man mittels unterschiedlicher Symbole kritische Punkte, Sandsackfüllstationen oder Verpflegungsstationen finden, außerdem Orte, bei denen notiert ist, was gebraucht wird. Sind an einem Ort genug Helfer vorhanden oder Sandsäcke abholbereit, wird dies ebenfalls gekennzeichnet und mit Hinweisen ausgestattet, an welchem nahen Punkt stattdessen Hilfe benötigt wird. Sogar an Routenplanung und Hinweise auf durch das Hochwasser gesperrte Wege, Brücken und Straßen wurde gedacht.

Hochwasser-Karte

Schon bei mehreren Umweltkatastrophen auf der ganzen Welt hat man sich Crowdsourcing zum Mittel gemacht, um eine bessere Hilfsversorgung aufzubauen. Zumeist wird Koordination über Social Media Kanäle und mobile Geräte nur im Zusammenhang mit Protesten und Aufständen genannt. Generell nicht verwunderlich, denn die junge Generation, die als digital native bezeichnet wird, sieht diese selbstorganisierte Form der Hilfe auch als Mittel, zu protestieren und Fehler aufzuzeigen. Doch auch die Hilfeleistung in Notsituationen und Katastrophen per Crowd hat schon eine Geschichte. 2011 wurden auf den Philippinen nach einem enormen Hochwasser auf gleiche Weise Helfer, Hilfsmittel und Verpflegung organisiert, um eine flächendeckende Versorgung zu schaffen. Auch Waldbrände in Russland waren ein Jahr zuvor weniger verheerend ausgegangen, da ebenfalls per internetbasierter Organisation schnell agiert wurde. Erst letztes Jahr half sich die Millionenstadt Beijing selbst, indem sie per Crowd Hochwasser bekämpfte. Anfang dieses Jahres wurden per webbasierten Diensten und Kanälen US Bürger vor den verheerenden Stürmen gewarnt und konnten untereinander ein Hilfsnetz aufbauen.

In Sachen Katastrophenhilfe hat diese Form der Selbstorganisation nicht nur den Vorteil, dass mehr Menschen erreicht werden, sondern auch, dass auch an den unbekannteren Orten Hilfe eintrifft und dass die benötigten Hilfsgüter gezielter geliefert werden können. Selbstorganisierte Hilfsaktionen stärken außerdem das Selbstbewusstsein der Helfer, schaffen ein Wir-Gefühl und fördern den Optimismus auch in schweren Lagen.
Dass Not verbindet, weiß man schon lange, Hilfe in der Not aber scheinbar noch mehr.