Mit der Crowd gegen Wahlbetrug

03.09.2014

Indonesien besteht aus über 17.000 Inseln im indischen Ozean. Diese ausgedehnte Fläche sowie das niedrige Pro-Kopf-Einkommen der Bewohner erleichtern anscheinend Verstöße gegen die Wahlvorschriften. Bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen wurde mithilfe von Crowdsourcing der Versuch gestartet, dem Problem Wahlbetrug den Kampf anzusagen. Wie das geht? Mit der Unterstützung von drei Plattformen.

Bei der Auswertung der Wahlergebnisse konnten verdächtig aussehende Wahlformulare auf C1 Yanganeh hochgeladen und von der Crowd überprüft werden. Inkorrekte Zahlen und Tippfehler wurden so ausfindig gemacht.
Über das Portal Kawal Suara, zu Deutsch „Bewacher der Stimme“, wurden die Ergebnisse der C1-Formulare von den Usern gezählt. Dabei ging man auf Nummer sicher: eine IP-Adresse durfte nur die Daten aus einer Wahlkabine unter die Lupe nehmen. Über 31.000 Formulare wurden auf diese Weise geprüft und damit Manipulation beim Stimmenzählen vorgebeugt.

Screenshot Platform Mata Massa

Quelle: http://www.matamassa.org/

Auf verschiedene Art und Weise versuchten die Politiker, an Stimmen zu gelangen. Unter anderem verschenkten sie zur Bestechung Kopftücher. Solche und andere Verstöße konnten über die Plattform Mata Massa veröffentlicht werden. Sie ermöglicht den Nutzern, über Email, SMS oder Smartphone-Apps Informationen zu teilen.

Nicht nur die Indonesier haben Crowdsourcing für den korrekten Ablauf ihrer Wahlen genutzt. Auch bei den Parlamentswahlen in Bulgarien 2013 halfen verschiedene Online-Tools dabei, Betrug aufzudecken. Nach heftigen Protesten gegen Präsident Bojko Borissow und seine Sparmaßnahmen trat dieser zurück und ein neues Parlament wurde gewählt. Damit alles mit rechten Dingen zuging, konnten die User auf der Plattform Аз Гласувам (“Ich wähle”) ihre Fragen zur kommenden Wahl stellen. Auch konnten sie Unregelmäßigkeiten und Regelverstöße vor und bei der Wahl melden. Zu diesen Verstößen zählt zum Beispiel der Kauf von Wählerstimmen. Auf diese und andere Vergehen wiesen die Bürger auch auf der Plattform Votebuying hin. Außerdem spielte der beliebte Onlinedienst Twitter in Bulgarien eine Rolle: die User twitterten unter verschiedenen Hashtags, wie z.B #izbori („Wahlen“) über die Wahl und meldeten Probleme. Die Tweets, Posts und andere Beiträge konnten über die Crowdmapping-Plattform За честни избори (“Für Faire Wahlen”) gesammelt werden.

Das alles sind zwar nur kleine Schritte, aber ein Beweis dafür, dass die Crowd gemeinsam einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu mehr Demokratie in ihrem Land leisten kann.