Wie die Crowd zum Winzer wird

30.09.2014

Wer kann schon im Restaurant sitzen und einen Wein bestellen, den er selbst kreiert hat? Zwei große Weingüter in den USA haben sich entschlossen, genau das möglich zu machen. Sie lassen einen Wein mithilfe von Crowdsourcing herstellen. Einer davon ist der Crowdsourced Cabernet, der vom Weingut Columbia Crest in Washington 2016 als einer der ersten Crowdsourcing-Weine abgefüllt wird.

Seit August 2014 kann die Crowd „ihren“ Weinberg ganz genau beobachten und angeleitet von den Weingut-Mitarbeitern in den kommenden Monaten beeinflussen, auf welche Art die Winzer die Trauben verarbeiten. Wie das geht? Jeden Tag filmen viele verschiedene Webcams den Weinberg, die Weinstöcke und sogar die Trauben. Die Bilder kann man sich für den jeweils aktuellen Tag auf http//www.crowdsourcedcabernet.com/ anschauen. Da das Wetter bei der Weinherstellung eine große Rolle spielt, gibt es zusätzlich Infos zu Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Damit wissen die Teilnehmer immer genau, unter welchen Konditionen die Trauben für ihren Cabernet Sauvignon gerade reifen und das ganz einfach vom Computer aus.

Vineyard

Doch es bleibt nicht bei dem Beobachten der Früchte. In jeden Schritt der Weinherstellung werden die Hobbywinzer integriert. So stimmen sie unter anderem darüber ab, ob die Reben getrimmt, wann sie bewässert, zu welcher Tageszeit geerntet und welche Gärbehälter benutzt werden. Da jedoch nicht alle interessierten Beobachter angehende Profis in der Weinherstellung sind, erklären die Winzer die möglichen Auswirkungen der Abstimmung, beispielsweise dass nachts geerntete Trauben bei der Gärung leichter Bakterien ansammeln, die jedoch für einen vielseitigeren Wein sorgen. In den kommenden Schritten wird über das Fass und die Flasche des Weines entschieden, von dem 1000 Kisten produziert werden. Auch stimmen die Teilnehmer darüber ab, ob der Wein 12 Monate oder länger reift.

Crowdsourced Cabernet

Bildquelle:http://www.crowdsourcedcabernet.com

Nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland, wurde bereits 2011 das erste Mal mit Unterstützung der Crowd ein Rotwein produziert. Bei dem Projekt WeinZwoNull wurden die Teilnehmer an 20 Schritten auf dem Weg zum perfekten Spätburgunder beteiligt. Von Gärtemperatur bis hin zu Datum der Abfüllung und Flaschenverschluss stimmten die Crowd-Winzer über den Wein des Weinguts Deutzerhof im Ahrtal ab. Die deutschen Winzer durften ihren Wein schon probieren, der amerikanische Wein ist noch in der Mache. Wer gerne bei dem Projekt einsteigen möchte, kann sich unter http://www.crowdsourcedcabernet.com/ anmelden und damit einer der Ersten sein, die „ihren“ Rotwein in den Händen halten. Der Leiter des Weinguts wünscht sich, dass es auch 2015 ein neues Crowdsourcing-Weinprojekt geben wird.