Sicher und schnell unterwegs mithilfe der Crowd

16.01.2015

Ein Stau hindert euch mal wieder daran, schnell in die Stadt zu kommen? Ihr wollt einfach nur ein paar Erledigungen machen, doch es geht keinen Meter vorwärts? Die Menschen in Mexiko-Stadt können darüber nur müde lächeln. Alleine die Bewohner des Stadtteils Santa Fe quälen sich nämlich jeden Tag 2,5 Stunden durch den Stau. Dass in einer City mit mehr als 20 Millionen Einwohnern ein extremer Verkehr herrscht, überrascht wohl niemanden. Das ist nervenaufreibend, zeitraubend und mitunter gefährlich. José Castillo ist Professor an der Universität Harvard, Stadtplaner und Architekt. Er hat das Projekt Living Mobs ins Leben gerufen, das die Stauprobleme der Stadt lösen könnte. Gemeinsam mit seinem “Team Mexico City” gewann er den Audi Urban Future Award 2014. Die Audi-Initiative hatte das Motto „Auto findet Stadt“ und beschäftigte sich mit der Frage: Wie sieht die Zukunft urbaner Mobilität aus?

StauLiving Mobs Website

Wie funktioniert das Projekt von José Castillo?

Mithilfe einer Smartphone-App sowie einer Datenplattform können die User ihre individuelle Verkehrsbewegung in Echtzeit angeben. Zum Zeitpunkt der Preisverleihung wurden bereits über 14.000 solcher Datensätze gesammelt. Auf diese Weise können Statistiken darüber erstellt werden, welche Massen wann und wo im Auto unterwegs sind. Zwar gibt es bereits Daten zum öffentlichen Verkehr, die das Team mithilfe von Universitäten und Firmen sammelt, doch die Zahlen des privaten Autoverkehrs könnten sich als sehr wertvoll erweisen. Auch Tweets mit Ortsangaben sowie Daten von Unternehmen helfen den Forschern bei ihrem Vorhaben. Das Ziel des Projektes ist es, die Verkehrsstruktur in Mexikos Hauptstadt zu verändern und möglichst viele Leute dazu zu bewegen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder auf Bus und Bahn umzusteigen. Wer zur Hauptverkehrszeit seine Verwandten besuchen fahren möchte und sieht, was auf den Straßen los ist, überlegt es sich dann vielleicht zweimal, das Auto zu nehmen. Das entlastet nicht nur die Umwelt, sondern könnte den täglichen Stress der Menschen verringern und auch anderen Städten auf der ganzen Welt helfen.

Die Crowd ist auch in der deutschen Hauptstadt aktiv

In Berlin möchte man den Straßenverkehr auf andere Weise verbessern. Im Winter 2013 hatte die Stadt Berlin ein auf vier Wochen begrenztes Projekt zum Thema Radsicherheit gestartet.Berlin Radsicherheit Die vielen Radfahrer in der Stadt sollten Informationen über Radwege und gefährliche Straßen weitergeben. Ihre Perspektive ist enorm wichtig, um Unfälle zu verhindern und Gefahren vorzubeugen. Schon in den ersten 24 Stunden des Projektes kamen über Tausend Meldungen von Verkehrsteilnehmern zusammen, die von Problemen im Berliner Straßenverkehr berichteten und vor Gefahren warnten. Ist eine Ampelschaltung verwirrend, fehlt ein Radweg oder ist eine Kreuzung unübersichtlich? Nicht nur Radfahrer, sondern auch Fußgänger und Autofahrer schrieben über ihre Erlebnisse auf den Berliner Straßen. Die aktive Phase des Projektes ist beendet, aber man kann sich die Hinweise sowie Tausende Kommentare, nach Straßen sortiert, anschauen. Mit ihren über 5000 Meldungen leisten die Berliner einen Beitrag dazu, dass sie mit dem Drahtesel sicher ans Ziel zu kommen. Maßnahmen, wie zum Beispiel das Aufstellen von Infoschildern an Problemstellen, wurden bereits ergriffen.