Googlesuche per Spracheingabe: Wie Sie die neue SEO-Herausforderung meistern

23.05.2017

Sprachsuche

Bereits 2016 waren 20 Prozent aller Google-Suchanfragen in den USA mündlicher Natur. Inzwischen dürften sich die Zahlen deutlich erhöht haben und das nicht nur in den USA. Das stellt die Betreiber von Webseiten vor neue Herausforderungen. Gesprochene Suchanfragen unterscheiden sich nämlich deutlich von geschriebenen und Google reagiert anders darauf. Welche SEO-Ansprüche die Sprachsuche mit sich bringt und wie Sie darauf reagieren können, das verraten wir Ihnen jetzt.

Sprachsuche ist für Internetnutzer selbstverständlich

  • Beim “eco Trend Report 2020” stimmten 83 Prozent der befragten IT-Branchen-Experten der Aussage zu, dass es 2020 Alltag sein wird, die Fragen an Suchmaschinen ähnlich umgangssprachlich wie an einen Freund zu richten.
  • Google wies 2016 auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco darauf hin, dass jede fünfte Suchanfrage per Spracheingabe gestellt wird.
  • Sprachassistenten wie Siri (Apple), Cortana (Windows) oder Bixby (Samsung) werden immer beliebter. Längst ist es für viele Smartphonenutzer selbstverständlich, dem Gerät mündlich Befehle zu geben, statt Suchbegriffe einzutippen.
  • Google führte im Juni 2012 „Google Now“ ein und ermöglicht es seitdem jedem Nutzer, seine Suchanfragen per Stimme zu stellen.
  • 2014 brachte Amazon mit Alexa die sprachbasierte Assistentin für ihre smarten Lautsprecher Amazon Echo heraus. Seit 2016 sind diese in Deutschland erhältlich.
  • Mit Google Home stößt auch der Suchmaschinenriese in die heimischen vier Wände vor.

Auf den Punkt gebracht: Die Sprachsuche ist für viele Internetnutzer eine Selbstverständlichkeit.

Die SEO-Problematik der Sprachsuche ist:

1. Der Suchende hört nur einen Treffer

Stellt der Suchende eine Frage, dann liest Google in der Regel die Antwort direkt aus dem „Featured Snippet“ vor. Dafür nutzt es den relevantesten organischen Treffer. Der Nutzer bekommt nur noch ein Suchergebnis präsentiert statt der sonst üblichen zehn. Die kann er natürlich noch weiterhin sehen, wenn er auf den Screen schaut. Wenn das Gerät keinen Bildschirm hat (Amazon Echo, Google Home), dann gibt es diese Möglichkeit natürlich nicht.

Problem: Die Webseite muss die Antwort liefern, die für Google am relevantesten ist. Aus welchem Suchergebnis Google das „Featured Snippet“ ermittelt, ist leider unklar. Jedenfalls wird es nicht unbedingt aus dem ersten Platz in der Suchergebnisliste gewonnen.

Frage: Wenn Google die Antwort ohnehin bloß vorliest, dann hat meine Webseite doch nichts davon.
Antwort: Google liest immer die Quelle der Antwort mit vor. Wird Ihre Webseite also genannt, bekommen Sie kostenfreie Werbung vom Sprachassistenten. Außerdem erhalten Webseiten, aus denen Google Snippets bezieht, 10 bis 15 Prozent mehr Traffic.

2. Suchanfragen sind vorwiegend handlungsbezogen

Mündliche Suchanfragen bestehen nicht aus einem oder zwei Worten. Der Suchende stellt Google eine Frage, z. B. „Wo finde ich die nächste Tankstelle?“. Google muss in diesem Beispiel nicht nur die Tankstellen kennen, sondern deren Lage und die Position des Fragenden. Nur dann kann eine zufriedenstellende Antwort ermitteln werden.

Problem: Handlungsbezogene Suchanfragen sind sehr komplex. Google bezieht deshalb weitere Parameter ein, um relevante Treffer zu liefern.

3. Die Suchanfragen sind nicht bekannt

Bisher können Webmaster und Seitenbetreiber nicht in Erfahrung bringen, welche sprachbasierten Suchanfragen bei Google eingehen. Allerdings verspricht die Suchmaschine Besserung. Demnächst sollen gesprochene Suchanfragen (Voice Search) separat in der Google Search Console aufgelistet werden.

Problem: Wie soll eine Webseite optimiert werden, wenn nicht bekannt ist, was die Nutzer suchen?

Wen betrifft die Sprachsuche?

Die Sprachsuche wird vor allem im B2C-Bereich angewendet. Endverbraucher ermitteln darüber Informationen zu Produkten, Kontaktdaten, Standorten, Öffnungszeiten und Ähnliches. Wenn Sie mit Ihrer Webseite in einem solchen Bereich aktiv sind, dann kommen Sie nicht um eine entsprechende Optimierung zugunsten der Sprachsuche herum.
Im B2B-Bereich ist sie hingegen weniger wichtig. Sprachassistenten sind zwar auch im Büro verfügbar, wie Cortana am Windows-PC, werden dort allerdings kaum genutzt. Hier ist weiterhin die klassische Suche per Text beliebt.

Was können Sie tun, um bei der Google Voice Search besser gefunden zu werden?

1. Google muss Ihre Seite zum „Featured Snippet“ machen

Das ist leichter geschrieben als umgesetzt. SEO-Experten sind sich nämlich äußerst uneinig, wann Google ein Snippet aus einer Seite bildet und wann nicht. So soll die Strukturierung der Daten mittels Markups von Schema.org helfen. Sie können es gern ausprobieren. Stellen Sie Google ein paar Fragen. In den meisten Fällen enthalten die Snippets keine Markups. Das ist also nicht unbedingt die Lösung, auch wenn es hilfreich sein kann.

Worüber sich SEO-Experten einig sind, ist, dass die Seite folgenden Aufbau haben sollte:

  • Im Header Ihrer Seite sollten die zur Frage passenden Keywords stehen, aber NICHT die Frage selbst.
  • Die Suchanfrage sollte als Überschrift (H1, H2, H3, H4) auf Ihrer Seite auftauchen.
  • Die Antwort auf die Suchanfrage sollte in einem Tag (z. B. <p>Antwort</p>) platziert werden und direkt unter der Überschrift stehen.
  • Ideal für ein Snippet ist eine Antwortlänge von 40 bis 58 Wörtern.
  • Google bevorzugt logisch und gut strukturierte Antworten. Wo es passt, können dies Aufzählungen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen u. Ä. sein.

Beispiel

Frage an Google: Wie kann ich ein Brot backen?

Keywords im Header Ihrer Seite: Brot, backen, Rezept, Zutaten

Überschrift auf Ihrer Seite: Wie kann ich ein Brot backen?

Antwort unter Überschrift:

  1. Sie brauchen 500 g Mehl, 1 TL Salz, 350 ml Wasser und ein Päckchen Trockenhefe sowie etwas Öl.
  2. Verrühren Sie alle Zutaten gut und füllen Sie diese in eine gefettete Kastenform.
  3. Lassen Sie den Teig 20 Minuten gehen.
  4. Backen Sie das Brot 40 Minuten bei 220 Grad.

Anmerkung: Auch wenn alle Punkte erfüllt wurden, ist das keine Garantie für eine Snippet-Erstellung durch Google. Wie genau die Suchmaschine bei der Auswahl vorgeht, ist nämlich unbekannt. Bekannt ist aber, dass die Region und das vorherige Suchverhalten des Nutzers ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Google zieht daraus Schlüsse über den Kontext der Suchanfrage. Paramater wie Region oder Suchhistorie können Sie mit Ihrer Seite leider nicht beeinflussen.

2. Sie müssen die möglichen Fragen Ihrer Zielgruppe in Erfahrung bringen

Um herauszufinden, welche Suchanfrage die Nutzer an Google überhaupt stellen, können Sie hoffentlich bald die Google Search Console verwenden. Aktuell (Stand: 05/17) geht das nicht. Deshalb suchen Sie einfach auf Google nach „google fragen tools“ und schon bekommen Sie jede Menge Werkzeuge geliefert. Mit diesen können Sie die beliebtesten Fragen ermitteln.
Überlegen Sie außerdem selbst, wie Sie nach Ihren Dienstleistungen, Produkten, Kontaktdaten usw. fragen würden. Auch Ihr Bekannten- und Freundeskreis kann Ihnen weiterhelfen. Unbedingt sollten sie Leute hinzuziehen, die keine Ahnung von Ihrem Geschäft haben. So vermeiden Sie zu fachliche Fragen, die kaum einer stellen würde.

3. Die ermittelten Fragen auf Ihrer Seite einbauen

Haben Sie die Fragen gefunden, integrieren Sie diese auf Ihrer Internetseite. Vergessen Sie die dazu passenden Antworten nicht! Um alle Fragen und Antworten unterzubringen, ist natürlich die FAQ-Sektion ideal geeignet.

Bauen Sie außerdem alle erfragbaren Informationen an logisch nachvollziehbaren Stellen ein.

Beispiel

Sie betreiben eine XYZ-Bar. Deren Adresse ist dann in der Rubrik „Lage“, „Kontakt“ oder „So finden Sie uns“ richtig. Sie können natürlich auch eine Frage formulieren (“Wo finde ich die XYZ-Bar?”) und die auf Ihrer Seite beantworten. Ideal ist in diesem Fall die Einbindung von Google Maps in Ihre Internetseite. Vergessen Sie außerdem die Öffnungszeiten nicht. Die Tageszeit kann für Google durchaus Relevanz besitzen. Der Nutzer soll ja nicht zu einer geschlossenen Einrichtung geschickt werden.

4. Longtail Keywords verwenden

Da die Sprachsuche handlungsbezogen ist, werden längere Keywords immer wichtiger. Nutzen Sie diese deshalb verstärkt in Ihren Texten.

Beispiel

Textsuche: SEO Strategie

(Keywords: SEO, Strategie)

Sprachsuche: Wie kann ich eine gute SEO Strategie entwickeln?

(Keyword: SEO Strategie entwickeln)

Informationen zum Thema Keywordrecherche erhalten Sie in unserem Blogbeitrag “Keywordrecherche: Das Wichtigste in zehn Minuten“.

5. Füllwörter bekommen SEO-Bedeutung

Füllwörter wie „von“, „nach“ usw., die für die Textsuche unwichtig waren, haben bei der Sprachsuche Bedeutung. Dank der semantischen Algorithmus-Anpassungen, wie Google Hummingbird, versteht die Suchmaschine nämlich deren Bedeutung. Achten Sie deshalb bei der Formulierung Ihrer Texte auf die richtigen Füllwörter.

Beispiel

Ein Nutzer sucht eine Busverbindung von Berlin nach Paris.
In der Textsuche wird er wahrscheinlich folgende Suchworte eintragen: “Bus Berlin Paris”. Stellt er Google die Frage mündlich, dann wird es so oder ähnlich klingen: “Mit welchem Bus komme ich von Berlin nach Paris?”.

6. Positive Bewertungen anstreben

Auch wenn es Sie wenig interessiert, welche Bewertungen Ihr Geschäft auf Yelp und anderen Bewertungsplattformen hat – die Sprachassistenten interessiert es. So empfiehlt selbst Amazon über Alexa gut bewertete Läden in der Nähe, obwohl die ja eigentlich mit dem Versandriesen konkurrieren. Gerade für regional agierende Geschäfte ist also eine positive Bewertung wichtig, damit sie von Siri, Google, Cortana usw. empfohlen werden.

So wird Ihre Seite auch per Sprachsuche gefunden

Die sprachbasierte Suche und die damit einhergehende Suchmaschinenoptimierung muss Ihnen keine Angst machen. Haben Sie bisher eine gut strukturierte Webseite betrieben und Ihren Nutzern relevante Inhalte geboten, dann müssen Sie nur wenig ändern.
Eventuell bauen Sie Ihre FAQ-Abteilung aus und formulieren die ein oder andere Überschrift anders. Überprüfen Sie außerdem, wie viele Ihrer verwendeten Keywords fragenbasiert sind, und ändern Sie diese gegebenenfalls. Vergessen Sie dabei die Longtail Keywords nicht.
Wenn Ihre Webseite dem Nutzer bisher ein gutes Surferlebnis bot, wird das auch die Sprachsuche zu schätzen wissen und Ihre Seite auflisten.

Tipp: Clickworker hilft Ihnen dabei, selbst umfangreiche Textmengen für die Sprachsuche schnell zu optimieren.
Umfragen zum Thema Sprachsuche, um etwa typische Suchfragen zu finden, lassen sich ebenfalls effektiv in der Clickworker-Community durchführen.

 

Dieser Artikel wurde am 23.May 2017 von Thomas geschrieben.

von: Thomas K.

Thomas K., Clickworker