Vorsicht, Fake-Influencer

13.02.2018

Fake-Influencer

Influencer sind im Marketing momentan der „Heilige Gral“ um neue Kunden zu gewinnen. Gerade für die junge Zielgruppe sind sie ideale Werbeträger. Leider tummeln sich hier extrem viele Betrüger. Wie Sie einen Fake-Influencer erkennen verrät Ihnen unser Post.

Jeder Marketing- und Werbeexperte verweist auf die ungeheure Wichtigkeit der Stars von Instagram, YouTube und Co. Für Influencer wird von den Firmen gern Geld in die Hand genommen. Selbst kleinere Unternehmen versuchen mit ihnen ihre Produkte besser zu vermarkten. Das wissen auch die Möchtegern-Social Media-Stars. Sie haben keine Scheu, sich mittels Fake-Accounts und Bots als „Influencer schlechthin“ darzustellen.

Für ein Unternehmen kann so ein Fake-Influencer richtig teuer werden. Es zahlt ihm nicht nur Geld und stellt ihm kostenfrei Produkte zur Verfügung, außerdem wird in der Zeit auch versäumt, auf geeignetere Partner zu setzen.

Hintergrund

Fake-Influencer werden – einfacher als gedacht

Wer glaubt, es gehöre viel Aufwand dazu, um Fake-Influencer zu werden, der irrt. Alles was man dafür braucht gibt es im Internet für wenig Geld. In die Tiefen des Darknets muss dafür niemand hinabsteigen. Die Dienste werden ganz offiziell angeboten.

Beispielsweise lassen sich für Instagram Bots kaufen. Das sind Programme, die automatisch Bilder posten, anderen folgen und entfolgen, „Gefällt mir“-Angaben hinterlassen oder auch Kommentare. Diese lassen sich zum Beispiel an bestimmte Hashtags koppeln. So bekommen eben alle Fotos mit dem Hashtag „Sunrise“ den Kommentar: „Tolles Foto“ oder „Wow“. Schnell baut sich so eine Followergemeinde auf.

Die Bots werden übrigens als „Account-Verwaltungsprogramme“ angeboten. Sie sollen dem Instagramnutzer das Leben erleichtern. Die Folge dieser Automatisierung des Instagram-Accounts hat Evan LePage in einem Blog-Post auf Hootsuite sehr anschaulich zusammengefasst.

Interessant ist außerdem, dass all diese „Hilfsprogramme“ fast immer einen weiteren Service bieten, und zwar „Likes“ und „Views“ zu kaufen. Da gibt es dann für einen US-Dollar 100 „Likes“ auf Instagram oder für 50 US-Cent 100 „Video Views“.

Sie sehen: Mit wenig finanziellem Aufwand und ganz ohne „Hackersoftware“ oder Ähnlichem kann sich jeder als Instagramer mit großer Followergemeinde etablieren.

Interessantes Fake-Influencer-Experiment

Der WDR hat mal die Probe gemacht und einen Reporter mittels Bots zum Fake-Influencer werden lassen. Anfangs hatte er auf Instagram 600 Follower. Das waren seine realen Freunde, Bekannte usw. Nach nur vier Wochen waren es 23.000. Er gab circa 200 Euro für Bots und „Fake-Likes“ aus. Am Ende des Experiments hätte er dank 15 Kooperationsvereinbarungen 2900 Euro einnehmen können. Zum Fake-Influencer-Video geht’s hier.

Bei diesen Zahlen ist es kein Wunder, wenn Social Media ein Tummelfeld für Betrüger ist.

So erkennen Sie Fake-Influencer

1. Followergemeinde steigt schnell an

Schauen Sie sich die Followerzahlen an. Schnelle Anstiege deuten häufig auf Manipulationen hin. Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa wenn der Account in den Medien auftaucht, aber das lässt sich ja schnell recherchieren.

2. Follower folgen, aber posten nicht

Auffällig wird es immer, wenn die Follower des Accounts nur allen möglichen Leuten folgen, selbst aber nichts bzw. kaum etwas posten. Das spricht eigentlich immer für Fake-Accounts, deren Dienste gemietet werden können.

3. Kommentare sind kurz bzw. allgemein gehalten

Die Kommentare unter den Posts sind allgemein gehalten. Da steht dann nur ein „Wow!“ oder „Tolles Foto!“ usw. Auch wenn ausschließlich Smileys als Kommentar herhalten, ist das ein ziemlich sicherer Hinweis darauf, dass hier Kommentare eingekauft wurden.

4. Nur Likes

Ebenfalls sehr verdächtig sind Beiträge, die von sehr vielen „geliket“ werden, zu denen es aber nur wenige oder überhaupt keine Kommentare gibt. Denn wie wahrscheinlich ist es, dass 18.000 Leute einen Post toll finden und keiner davon einen Kommentar hinterlässt?

5. Stock-Bilder

Werden beim Instagram- oder Facebookpost praktisch immer nur frei verfügbare Bilder verwendet, dann ist auch das ein ziemlich sicheres Anzeichen für einen Bot, der hier am Werk ist. Ob ein Bild Original ist oder woanders schon verwendet wurde, bekommt die Google-Bildersuche sehr schnell heraus. Dort einfach das entsprechende Bild hineinladen und schauen, ob es die Suchmaschine noch mal im Netz findet. So lassen sich übrigens auch sehr schnell Fake-News identifizieren.

6. Kurze Zeitspanne

Werden sehr viele „Likes“ und Kommentare zu einem Post innerhalb weniger Minuten abgegeben, spricht das ebenfalls für gekaufte „Gefällt mir“-Angaben. Reale „Likes“ verteilen sich normalerweise auf mehreres Stunden bzw. Tage.

Echte Influencer – nicht die Größe macht‘s

Zielgruppenrelevante Influencer zeichnen sich nicht durch eine riesige Fangemeinde aus. Vielmehr sprechen viele Interaktionen zwischen Influencern und Followern für deren Einfluss.

Wenn Ihr Unternehmen also auf der Suche nach den richtigen Partnern ist, schauen Sie sich die Interaktionen auf den Accounts an. Ein echter HiFi-Fan, der sich mit seinen 1.000 Followern regelmäßig und klug über High-End-HiFi austauscht, wird einer Audiomanufaktur für Lautsprecher mehr bringen, als ein Influencer mit 100.000 Followern, der lediglich allgemeine Posts in die Welt streut.

 

Dieser Artikel wurde am 13.February 2018 von Thomas geschrieben.

von: Thomas K.

Thomas K., Clickworker