Künstliche Intelligenz schreibt Texte

21.11.2019

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist in der Texterstellung längst schon Realität. Auf der Grundlage von strukturierten Daten erzeugen Maschinen Produktbeschreibungen, Börsennachrichten und Wetterberichte. Und zwar so gut, dass die Ergebnisse von menschlich erzeugten Schriftwerken kaum zu unterscheiden sind. Aber KI kann noch mehr: Auch das Erstellen von Gedichten und Märchen ist auf Knopfdruck möglich.

Maschinen dichten

Die Mitglieder der Brentano-Gesellschaft staunten nicht schlecht. Sie hatten gerade ein neues Gedicht in ihren Jahresband aufgenommen, als sie erfuhren, dass der Autor des Werks eine Maschine war. Hinter dem lyrischen Werk „Sonnenblicke auf der Flucht“, dem die Aufnahme in die Frankfurter Bibliothek gelang, stand allein künstliche Intelligenz.

Die menschliche Arbeit an diesem Werk beschränkte sich auf die Programmierung und die Dateneingabe: Jede Menge Gedichte als Lernstoff für den Algorithmus. Was dabei herauskam, konnte sich durchaus mit menschlich erstellter Lyrik messen. Sogar die Experten der renommierten Kultureinrichtung in Frankfurt am Main erkannten den Unterschied nicht.

Künstliche Intelligenz schreibt also Gedichte. Aber KI kann nicht nur Lyrik, sondern auch Prosa. Ein Beispiel hierfür ist Botnik – ein Projekt von Schriftstellern, Künstlern und Programmierern. Botnik entwickelte zusammen mit einem Computerprogramm ein Märchen. Und so funktionierte die Kooperation zwischen Mensch und Maschine:

  • Der selbstlernende Algorithmus erhielt als Datengrundlage die Märchen der Gebrüder Grimm.
  • Das Programm schlug auf dieser Basis einzelne neue Sätze im Stil der bekannten Werke vor.
  • Die Autoren erstellten auf der Grundlage dieser maschinellen Vorschläge eine neue, in sich abgeschlossene Geschichte.

Heraus kam das Märchen „Die Prinzessin und der Fuchs“ – das neueste Werk der Gebrüder Grimm, geschrieben Anfang des 21. Jahrhunderts. Ein im Stil und Inhalt vertrautes Märchen, letztlich aber nur ein literarischer Klon.

KI-Texte für Produktbeschreibungen

Gedichte, Märchen, ein Kapitel für ein Harry-Potter-Buch oder ein neues Rembrandt-Gemälde sind zurzeit zwar noch in erster Linie Spielereien, die das Alleinstellungsmerkmal des Menschen in puncto künstlerischer Kreativität infrage stellen. Das Einsatzgebiet von künstlicher Intelligenz im Textbereich ist aber nicht primär die Unterhaltungsindustrie. Sie bietet sich insbesondere für Business-Zwecke an. Beispiele sind:

  • Produktbeschreibungen,
  • Newsticker (zum Beispiel für Nachrichten von der Börse),
  • Sportergebnisse,
  • Wettervorhersagen.

Es liegt auf der Hand, dass sich Texte umso besser maschinell erstellen lassen, je strukturierter und klarer die zu übermittelnden Inhalte sind. Auch herkömmliche Produktbeschreibungen weisen immer wieder Ähnlichkeiten auf, weil sie sich nach bestimmten Mustern richten. Diese Muster kann man einem Programm schnell beibringen. Oder – und hier kommt KI ins Spiel – das Programm erkennt die Muster selbst und wendet sie an.

So arbeitet ein Textroboter

Wie arbeiten Texterstellungsprogramme für Online-Shops? Die Produktion von Produktbeschreibungen funktioniert nach einem bestimmten System: Die zu erstellenden Texte werden in einzelne Einheiten aufgeteilt. Das Programm erhält in Listenform eine Übersicht über die Produkteigenschaften, die im Text vermittelt werden sollen. Am Beispiel von Fahrrädern könnten das zum Beispiel sein:

  • Art des Fahrrads (City-Bike, E-Bike, Trekkingrad, Rennrad usw.)
  • Anzahl der Gänge
  • Gewicht

Je nach Art des Fahrrads wählt der Algorithmus passende Sätze zum Einsatzzweck aus („Ein perfektes Bike für den Alltag“, „Ein Rad für sportlich ambitionierte Fahrer“ usw.). Die Anzahl der Gänge lässt sich ebenfalls für unterschiedliche Textpassagen einsetzen („… hat X Gänge“, „… überzeugt mit einer breiten Gang-Auswahl“, „Nur 3 Gänge sorgen für Übersichtlichkeit beim Schalten.“ usw.). Ähnliches gilt für das Gewicht („bringt nur 10 kg auf die Waage“, „Starke 17 kg machen das Rad besonders robust.“).

So werden für dasselbe Produkt auf Wunsch unterschiedlich lange Beschreibungen möglich: Von der ausführlichen Vorstellung auf der Produktseite bis zum Meta-Tag „Description“, das mit weniger als 155 Zeichen ideal als Kurzeintrag auf der Google-Ergebnisliste ist.

Auf der Grundlage von grammatischen Regeln erzeugt der Algorithmus neue Kombinationen am laufenden Band: Kreativität auf Knopfdruck. Der Mensch übernimmt hierbei – wenn überhaupt – nur noch die Aufgabe, die besten Ergebnisse auszuwählen. Künstliche Intelligenz benötigt im Idealfall lediglich eine große Menge von ähnlichen Texten, um Strukturen, Sprachstile und andere Besonderheiten eigenständig zu erkennen.

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Automatische Textgenerierung anhand strukturierter Daten hat vor allem für Shop-Betreiber Vorteile. Denn die Formulierung von unzähligen Produktbeschreibungen, die trotz der gleichartigen Inhalte jeweils eigenständig erscheinen sollen, ist nicht nur mühselig, sondern auch fehleranfällig. Ein Computerprogramm wählt für jede Einzelheit aus einer Vielzahl unterschiedlicher Formulierungen aus und erstellt somit in Sekundenschnelle einzigartige Texte: Unique Content – von Suchmaschinen besonders gern gesehen.

KI lässt Maschinentexte menschlich klingen

Klar: Automatische Texterstellung kommt auch ohne künstliche Intelligenz aus. Aber der Vorteil von selbstlernenden Programmen ist, dass deren Algorithmen linguistische Besonderheiten des Ausgangsmaterials erkennen. Lernende Analyse ist somit die Basis von Authentizität. Authentizität ist ein wichtiger Pluspunkt, der von Kunden geschätzt wird. Und dieser Pluspunkt kommt jedem Webseitenbetreiber zugute.

Programme erstellen also günstig, schnell und zuverlässig jede gewünschte Textmenge – mit lukrativen Vorteilen für den Anwender:

  • Potenzielle Käufer werden persönlich angesprochen, denn das Programm lernt, wie die Zielgruppe spricht.
  • Die so erstellten Texte steigern die Conversion-Rate.
  • Die Einträge werden von Google als Unique Content eingestuft und steigen im Ranking.

Gerade die Vermeidung von Duplicate Content ist ein wertvoller Faktor im Online-Marketing. Ein intelligentes Texterstellungsprogramm gewährt die Einzigartigkeit eines Textes viel zuverlässiger als ein Mensch. Denn der Algorithmus kann bereits bei der Texterstellung seine Ergebnisse automatisch mit den bereits bestehenden Texten im Netz abgleichen.

Fazit

Was im Online-Marketing längst Realität ist, scheint jetzt auch für die Unterhaltungsindustrie interessant zu werden: Maschinell erstellte Gedichte, Romane und andere Textgattungen. Die lyrischen und prosaischen Ergebnisse der Computertexte müssen heute zwar meist noch von einem Menschen gegengelesen werden, bevor sie veröffentlicht werden können, aber langfristig wird sich wohl die Frage stellen, ob allein der Mensch ein Copyright auf künstlerische Kreativität hat.

 

Dieser Artikel wurde am 21.November 2019 von Jan Knupper geschrieben.

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von: Jan Knupper

Jan Knupper ist freier Autor und schreibt für Clickworker




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