Was kann KI wirklich? 8 Mythen zur Künstlichen Intelligenz entlarvt

12.02.2020

Mythen Künstliche Intelligenz

Die Welt der Märchen sollte eigentlich Filmen und Büchern vorbehalten sein, doch wenn es um künstliche Intelligenz geht, dann werden halbseidene „KI“-Firmen und schlecht informierte Blogger*innen zu wahren Märchenerzähler*innen. Wahr ist: KI wird die Arbeitswelt verändern, doch viele Aussagen über Künstliche Intelligenz gehören definitiv ins Reich der Mythen und Märchen.

1. KI versteht, was sie tut

Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Meinung, versteht eine Künstliche Intelligenz nicht, was sie tut. Bitten Sie beispielsweise Ihren Alexa-Lautsprecher darum entspannende Musik zu spielen, weiß dieser nicht, was Musik oder Entspannung ist. Alexa scannt einfach die Stichworte in den verknüpften Musikstreamingdiensten. Anschließend spielt sie jene Playlist ab, die am besten zur Suchanfrage „Entspannende Musik“ passt. Ob Sie dann wirklich entspannende Musik hören, weiß Alexa nicht.

Selbst sehr komplizierte Abläufe wie beispielsweise eine Textübersetzung vom Englischen ins Deutsche setzen kein Verständnis der KI für beide Sprachen voraus. Vielmehr ermittelt die Software Sprachmuster im Text und fertigt anhand dieser die statistisch passendste Übersetzung.
(Mehr Informationen zu maschinellen Übersetzung von Texten finden Sie auf Linguatec im Artikel „Die maschinelle Übersetzung“.)

2. Künstliche Intelligenz wird mit der Zeit immer klüger

Die Basis von künstlichen Intelligenzen ist ein Algorithmus, der ihr „Verhalten“ steuert. Den wird die Artificial Intelligence niemals ändern – das wäre nämlich das Kunststück, sich selbst am Haarschopf aus dem Morast zu ziehen.

Anmerkung: Der Grund, weshalb beispielsweise die Übersetzungen des Google-Translators immer besser werden, ist: Der Konzern passt die Algorithmen an oder entwickelt vollkommen neue. (Mehr dazu lesen Sie auf mixed.de)

Auch wird die KI im Einsatz nicht schlauer als ihre Trainingsdaten. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Eine KI sortiert beispielsweise in einem Unternehmen den Posteingang nach den Kategorien: Rechnungen, Mahnungen und Bestellungen. Mit Daten für diese Kategorien wurde sie trainiert. Nun kommt eine Reklamation rein. Die KI stellt die größte Ähnlichkeit mit der Kategorie Bestellung fest. Deshalb ordnet die KI zukünftig alle Reklamationen als Bestellung ein. Kommen noch andere Dinge wie Widerruf oder Anfragen dazu, dann wird die KI noch mehr Fehler machen. Künstliche Intelligenzen müssen deshalb, wenn sich die zu verarbeitenden Daten ändern, neu trainiert werden.
Das erklärt auch, warum eine AI immer nur so klug ist, wie ihre Trainingsdaten. Verwenden Sie schlecht aufbereitete Daten, dann wird die Software auch schlecht arbeiten.

Tipp zur Generierung von Trainingsdaten für KI:
Über clickworker können Sie zeitnah auch Tausende von Trainingsdaten für KI ganz nach Ihrem Bedarf neu erstellen, bearbeiten oder bewerten lassen.

3. Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz sind dasselbe

Maschinelles Lernen ist ein Teilgebiet der KI. Andere Teilgebiete sind etwa Robotik oder Automatisierung. Allerdings werden Machine Learning und KI aktuell synonym verwendet, weil mit ML beeindruckende Resultate erzielt werden.

4. Je mehr Daten KI bekommt, desto besser wird sie

Auch diese Annahme ist falsch. Vielmehr bestimmt die Qualität der Trainingsdaten, wie gut die KI nachher arbeitet. Dazu muss das Ziel, also was die KI tun soll, konkret formuliert werden. Einfach eine KI mit vielen Daten füttern und dann glauben, sie wird jetzt alle Aufgaben lösen, die ihr gegeben werden, gehört ins Reich der Mythen.

5. KI trifft objektive Entscheidungen

Der größte Mythos ist wohl, dass eine KI objektiv ist. Wie bereits geschrieben, hängen die Entscheidungen der Software von ihren Trainingsdaten ab und diese Trainingsdaten erarbeiten Menschen. So machte der „Hotness-Filter“ der App „Faceapp“ im Jahr 2017 von sich reden. Der Filter sollte automatisch das Selfie „heißer“ machen. Problematisch ist, er wurde nur mit kaukasischen Modell-Gesichtern auf „Hotness“ trainiert. Deshalb verpasste der Filter Menschen mit dunkler Hautfarbe einen wesentlich helleren Teint, er arbeitete quasi rassistisch.

Ist das genannte Beispiel nur „ärgerlich“, kann die Einseitigkeit von Trainingsdaten sehr ernstzunehmende Konsequenzen haben. Ein schlecht trainierter Algorithmus gewährt bestimmten Menschengruppen nur Kredite mit schlechten Konditionen oder er setzt Krankenversicherungsbeiträge hinauf oder unterstellt kriminelle Eigenschaften, etwa aufgrund von Vorurteilen in den Trainingsdaten.
(Welche unglaublichen Vorurteile in den Trainingsdaten von Bilderkennungssystemen schlummern erfahren Sie in diesem Artikel: Excavating AI)

6. Künstliche Intelligenz wird Arbeitsplätze vernichten – besser ausgebildete Arbeitnehmer sind am stärksten gefährdet

Laut einer Studie der US-Denkfabrik Brookings Institution wird KI nicht wie erwartet, „einfache“ Berufe ersetzen, sondern Jobs, in denen eine akademische Ausbildung gefragt ist. Das liegt daran, dass künstliche Intelligenz besonders stark darin ist, Muster zu erkennen und Datenmengen extrem schnell auszuwerten. Nun sind viele akademische Berufe genau damit beschäftigt. Denken Sie etwa an Finanzberater*innen, Ingenieur*innen oder Verkaufsmanager*innen. Handwerkliche Bereiche sind durch KI hingegen kaum bedroht. Auch alle Berufe, im sozialen Bereich werden wohl kaum durch künstliche Intelligenzen ersetzt werden können.
(Mehr Informationen zur Bedrohung der Berufswelt durch KI finden Sie im Artikel des Tagblatt „Jobverlust wegen Digitalisierung: Akademiker sind fünfmal so stark gefährdet wie Handwerker“.)

7. KI hat ein Bewusstsein

Wie unter Punkt 1 schon erklärt, versteht KI nicht, was sie tut. Ein Bewusstsein kann ihr deshalb auch nicht zugeschrieben werden. Wobei es sicher der Traum aller KI-Forscher*innen ist, eine künstliche Intelligenz zu schaffen, die ein Bewusstsein hat. Momentan steht aber das „I“ in künstliche Intelligenz für Algorithmik.
(Interesse am Thema? Der Deutschlandfunk geht im Beitrag „KI-Bewusstsein und die Frage nach der Selbstwahrnehmung“ darauf detailliert ein.)

8. Künstliche Intelligenz will Menschen vernichten

Mit dem Glauben an ein Bewusstsein der AI hängt auch der Mythos zusammen, dass diese darauf aus ist, die Menschheit zu vernichten. Da eigenbewusste Systeme aber noch in weiter Ferne liegen, wenn sie überhaupt realisiert werden können, sind diese Ängste wirklich absolut der Film- und Literaturwelt vorbehalten.

Welche Mythen kennen Sie?

Was denken Sie? Hat ein Mythos gefehlt oder liegen wir mit unseren Einschätzungen falsch? Schreiben Sie uns oder kommentieren Sie. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

PS: Diesen Text hat ein Mensch geschrieben.

 

Dieser Artikel wurde am 12.February 2020 von Thomas geschrieben.

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Thomas




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