Künstliche Intelligenz – Zusammenarbeit von Mensch und Maschine

18.11.2020

Künstliche Intelligenz

Kein technologischer Wandel geht ohne Ängste von statten. Viele Menschen verbinden mit Künstlicher Intelligenz die Herrschaft der Maschinen über die Menschheit. Zumindest als Jobkiller eignet sich KI allemal für jede Diskussionsrunde. Doch die Zusammenarbeit von Menschen mit intelligenten Maschinen bietet vor allem Chancen.

Maschinen als Jobkiller?

Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine? Das ist eigentlich ein alter Hut, denn die Koppelung menschlicher und maschineller Arbeitskraft war die Grundlage der industriellen Revolution. Zweifel und Angst gab es bei jeder Neuerung. Die Maschinenstürmer des frühen 19. Jahrhunderts blieben aber eine historische Randnotiz. Und auch die Mahner des späten 20. Jahrhunderts haben sich mit ihrer Warnung vor Massenarbeitslosigkeit durch den zunehmenden Einsatz von Computern geirrt.

Viele Berufe von früher gibt es zwar nicht mehr, dafür sind aber neue Berufe entstanden. Heute arbeitet der Mensch wie selbstverständlich mit digitalen Geräten aller Art zusammen. Viele Berufe sind ohne digitale Unterstützung gar nicht denkbar. Doch was ändert sich, wenn diese Geräte immer intelligenter werden? Zwei Fakten sprechen dafür, dass sich die immer wieder angeführten Negativ-Utopien zum Thema Menschen und Super-Maschinen wohl nicht verwirklichen werden:

  1. Der bei Weitem größte Teil der Menschen, die heute schon mit KI arbeiten, empfindet die intelligente Unterstützung als Entlastung. Die Arbeit wird dadurch nicht nur produktiver, sondern auch kreativer und interessanter. Gerade für Routinetätigkeiten oder aufwendige Datenanalyse bieten sich die KI-Systeme an.
  2.  

  3. Auf absehbare Zeit bleibt Künstliche Intelligenz „schwach“ und wird nur für konkrete, klar abgrenzbare Bereiche eingesetzt. Starke KI, die sich intellektuell mit der Allround-Begabung des Menschen messen kann, wird auch in den nächsten Jahrzehnten Science-Fiction bleiben. Maschinen werden nicht die Macht übernehmen.

Klar ist: Viele Jobs wird es in der Zukunft nicht mehr geben. So hat die Waschmaschine für das Aussterben des Berufs der Wäscherin gesorgt. Ähnliches wird im Dienstleistungsbereich passieren. Vor allem Routinejobs werden verschwinden. Als Ausgleich werden sich neue Berufsbilder entwickeln – zum Beispiel Fachkräfte, die sich mit dem Schließen von Lücken im Teamwork zwischen Menschen und Maschinen auskennen und die Zusammenarbeit optimieren.

Künstliche Intelligenz assistiert dem Menschen

KI-Tools sind heute in vielen Bereichen zu hilfreichen Assistenten für den Menschen geworden. Sie übernehmen Routinetätigkeiten und entlasten damit menschliche Arbeitskräfte.

  • In Medizin und Pflege liefert KI wertvolle Vorschläge für Prävention, Therapieansätze und frühzeitige Diagnosen. Der Arzt kann sein Fachwissen viel gezielter als ohne technisch-intelligente Unterstützung einsetzen.
  • In der Industrieproduktion übernehmen KI-Roboter immer mehr Aufgaben in der Fertigung und in der Qualitätskontrolle und verringern somit die Fehlerquote.
  • Vor allem in den Dienstleistungsberufen zeigt sich die Überlegenheit von KI-Unterstützung. So können im Kunden-Support Standardanfragen effektiv von KI-Systemen übernommen werden. Nur bei außergewöhnlichen oder schwierigen Fällen erfolgt die Weiterleitung an den Mitarbeiter. Dadurch steigen die Effizienz und die Kundenzufriedenheit.

Was für die Unterstützung bei intellektuellen Tätigkeiten gilt, gilt auch für Gefahrenminimierung:

  • Soweit der Mensch in extremen Situationen verzichtbar ist, übernehmen Roboter mit Künstlicher Intelligenz gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeiten.
  • Wo der Mensch unverzichtbar bleibt, entlasten ihn intelligente Exoskelette (Außenskelette) bei anstrengenden Tätigkeiten. Gleichzeitig leisten sie eine wichtige Funktion bei der Fehlervermeidung.

In puncto Zusammenarbeit werden sich wahrscheinlich nicht nur solche offensichtlichen Vorteile auszahlen. Die wachsende Fähigkeit von Künstlicher Intelligenz, menschliche Erkenntnis- und Denkprozesse zu simulieren (Cognitive Computing), wird auch in der alltäglichen Anwendung für mehr Vertrauen des Menschen zur Maschine führen. Denn die Kommunikation des Menschen mit der jeweiligen KI-Anwendung wird immer besser.

Mit KI gegen den Fachkräftemangel

Ein weiteres Argument für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Etwa 20 bis 40 Prozent der durchschnittlichen Arbeitszeit von hoch qualifizierten Mitarbeitern besteht heute aus der „Suche nach Details“. Das Durchforsten von Datenbeständen nach relevanten Informationen ist aber gerade eine Standard-Aufgabe für das Maschinelle Lernen. Das Fachwissen von teuren qualifizierten Arbeitskräften lässt sich somit viel besser zugunsten des Unternehmens einsetzen.

Die Zusammenarbeit von Künstlicher Intelligenz und menschlicher Arbeitskraft heißt aber auch: Geringer qualifizierte Arbeitskräfte werden mit KI-Tools in die Lage versetzt, komplexe und anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen.

Transformation braucht Unterstützung

Es liegt auf der Hand, dass Künstliche Intelligenz auf lange Sicht das Verhältnis von Mensch und Maschine ändern wird. Um diese Transformation in eine positive Richtung zu bewegen, müssen folgende Grundsätze beachtet werden:

  • Die Einführung von Artificial Intelligence in die verschiedensten Arbeitsbereiche muss sich an der Effektivität genauso wie an den Bedürfnissen des Menschen in Bezug auf die Art der Interaktion orientieren.
  • Das gilt insbesondere für eine weitgehende Wahrung der Selbstbestimmung, der finalen Entscheidungsbefugnisse und der Autonomie der Anwender von KI-Systemen.

Mit der weiter fortschreitenden Verbesserung der Künstlichen Intelligenz wird damit auch das Schlagwort vom „lebenslangen Lernen“ des Menschen immer bedeutender.

Innovative Unternehmen stehen nicht nur vor der Herausforderung, die Vorteile von Künstlicher Intelligenz gewinnbringend und gezielt im Workflow einzusetzen. Gleichzeitig ist ein erfolgreiches Change-Management im jeweiligen Betrieb erforderlich: die möglichst frühzeitige Einbindung aller Beteiligten in den Transformationsprozess. Dazu ist vor allem Vertrauen notwendig. Die Etablierung einer Kultur der Veränderung fördert die Akzeptanz der Zusammenarbeit von Menschen mit intelligenten Maschinen.

 

Dieser Artikel wurde am 18.November 2020 von Jan Knupper geschrieben.

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