Crowd Economy – neues Wirtschaften im Netz

Der Begriff Crowd Economy bezeichnet neue Formen der Ökonomie durch die Interaktion von Menschen über das Internet. Die Digitalisierung verändert die weltweite Wirtschaft. Zur Crowd Economy zählen beispielsweise Crowdsourcing, Crowdfunding oder die Shared Economy.

Die Vielseitigkeit der Crowd Economy

Die Crowd Economy ist ein komplexes Businessfeld. Die „Wirtschaft der Vielen” hat eine Menge verschiedener Aspekte – Crowd Economy ist hierfür der Oberbegriff. Gemeinsam ist den neuen Formen der Ökonomie die digitale Vernetzung aller Beteiligten (der Crowd). Im Einzelnen werden beispielsweise unterschieden:

CrowdsourcingUnternehmen lagern Aufgaben an eine Masse/Crowd an Menschen aus.
Crowdfunding, CrowdinvestingFinanzierung von Start-ups durch die Crowd mit Spenden, Investitionen oder eigenen Kryptowährungen
Shared Economy (Sharing Economy)    Gemeinsame Nutzung von Wirtschaftsgütern und ungenutzten Ressourcen
Customer Co-CreationUnternehmen entwickeln Produkte mit Beteiligung der Kunden.
Crowd InnovationProblemlösungen und kreative Neuentwicklungen durch Ausnutzung der Crowd Intelligence
Mass CollaborationMitarbeit an einer Projektentwicklung, die prinzipiell jedem offensteht und die nicht hierarchisch organisiert ist

Markenzeichen des digitalen Zeitalters sind die sozialen Verbindungen, die durch das Internet und mobile Netzwerke verstärkt, zum Teil erst möglich gemacht werden. Kein Geschäftsmodell der Crowd Economy ist ohne die Vernetzung mithilfe neuer Technologien denkbar. Es bilden sich neue, global agierende Communitys, die sich im wirtschaftlichen Bereich betätigen. Auch Unternehmen nutzen kreative Communitys für die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle.

Unternehmen nutzen das Potenzial der Crowd

Immer mehr große Unternehmen erkennen das wirtschaftliche Potenzial der Crowd. Sie entwickeln neue Marketing-Strategien, die auf die Mitwirkung der Kunden, auf die Kreativität und Intelligenz der Crowd setzen. Diese nimmt somit aktiv Einfluss auf Marketing-Entscheidungen. Das externe Wissen der Crowd wird in offenen Innovationsprozessen produktiv im Sinne der Unternehmen genutzt. Beispiele:

  • Versicherungsunternehmen entwickeln neue Produkte auf der Grundlage von Befragungen ihrer Kunden.
  • Verkehrsbetriebe generieren neue Serviceleistungen, die auf Ideen der Fahrgäste beruhen.
  • Modeunternehmen nutzen die Crowd für die Entscheidung über bestimmte Designs, zum Beispiel in abgestuften Abstimmungsverfahren.

Auch die Arbeitswelt wird durch die Crowd Economy nachhaltig verändert. An die Stelle des ausschließlich für ein bestimmtes Unternehmen tätigen Angestellten tritt der selbstständig agierende und vielseitig vernetzte Freelancer.

Die Crowd Economy befindet sich heute noch in den Anfängen, sie bestimmt jedoch zunehmend die weltweite Ökonomie. Die Partizipation von Millionen Menschen am Business wird dadurch weniger unternehmens- als projektbezogen. In der Crowd Economy ist es üblich, dass die Akteure in vielen Netzwerken und an verschiedenen Projekten gleichzeitig mitwirken. Die dadurch für den Einzelnen entstehende Komplexität und Unübersichtlichkeit wird durch intelligente Tools überschaubar. Je weiter die Technik voranschreitet, umso mehr Optionen öffnen sich für die Beteiligten.

Das Netz verändert die Wirtschaft

In der Produktion und der Entwicklung stellt sich zunehmend die Überlegenheit der Crowd Intelligence gegenüber kleinen Gruppen von Experten heraus. Die Crowd Economy verändert drei fundamentale Bereiche der Wirtschaft:

  1. die Produktion,
  2. den Konsum
  3. und die Finanzierung.

Über Twitter, LinkedIn, Facebook, Google+ und andere soziale Netzwerke finden Menschen zusammen, die gemeinsam Projekte entwickeln. Dadurch wird die Produktion dezentralisiert

Auch der Konsum von Produkten kann durch die intelligente Anwendung von Apps ökonomisch und ökologisch optimiert werden (Shared Economy). Die Crowd Economy hat damit das Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung zu leisten. Mittels Apps, Communitys in sozialen Netzwerken oder durch gezielte Projekte werden Wohnungen zeitweise überlassen, Lebensmittel angeboten oder Kleidungsstücke recycelt.

Die Crowd finanziert sich selbst

Schließlich bietet die Crowd auch die Möglichkeit, Start-ups innerhalb kürzester Zeit zu finanzieren – durch einzelne kleine Beiträge, die sich schnell zu Millionen summieren. Die Crowd finanziert sich somit selbst. Auch hierfür haben sich verschiedene Wege entwickelt, die sich teilweise überschneiden:

Genauso wie die fortgeschrittenen Technologien das „kollektive Marketing” fördern, werden diese für die Realisierung von Fördermitteln verwendet. Für Crowdfunding und Crowdinvesting stehen Plattformen bereit, um innerhalb kürzester Zeit hohe Geldbeträge zu sammeln – in Form von Spenden oder Anleihen. Heute entwickeln Communitys sogar eigene Währungen (Crowd Currencies), um unabhängige Projekte zu finanzieren. Digitale Münzen, deren Wert mit dem Erfolg des Projekts verknüpft ist, werden weltweit angeboten und dezentral gehandelt – unabhängig von bestehenden Finanzstrukturen.

Auch für das Social Business stellt die Crowd ein nahezu unerschöpfliches Potenzial dar. Online-Communitys engagieren sich dabei sowohl für ihren eigenen wie für den gemeinschaftlichen Vorteil. Die Unterschiede zwischen sozialem und wirtschaftlichem Engagement werden unschärfer, weil das eine das andere bedingt.

Die neue digitale Ökonomie

Die Crowd Economy wird die Wirtschaft verändern – und damit auch die Gesellschaft. An die Stelle von zentralisierten Unternehmen treten dezentrale Netzwerke und flexible Communitys. Das Web bietet den unmittelbaren Zugriff auf die „Intelligenz der Vielen”, um diese auch für wirtschaftliche Projekte zu nutzen.