Crowdtesting – Software in der Masse testen

Unter Crowdtesting wird das Testen von Computerprogrammen, Webseiten, Apps usw. in einer großen Gruppe verstanden. Die Tester werden über das Internet rekrutiert und sind in der Regel keine Profis. Durch diese Form des Tests lassen sich extrem variable Bedingungen bezüglich Hardware, Betriebssystem, Bedienmentalität sowie technischem Wissen nutzen. Crowdtesting dient der Auffindung von Fehlern genauso wie der Abfrage der Nutzerfreundlichkeit.

Crowdtesting – Begriffsbestimmung

Der Begriff leitet sich aus den englischen Worten „Crowd“ und „Testing“ ab. „Crowd“ bedeutet „Menschenmasse“ oder „Menge“. „Testing“ heißt übersetzt „Testen“. Sinngemäß kann es also mit „Massentesten“ übersetzt werden. Allerdings ist diese Übersetzung mehrdeutig, da damit auch das Testen einer Masse von Menschen gemeint sein kann. Deshalb sollte auf jeden Fall der englische Begriff verwendet werden.

Wahrscheinlich entstand das Wort in Anlehnung an „Crowdsourcing“. Es handelt sich also um einen sehr jungen Begriff, da „Crowdsourcing“ erst im Jahr 2006 geprägt wurde.

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Vorteile

Das Crowdtesting hat für den Auftraggeber enorme Vorteile:

  1. Viele Devices: Sehr viele unterschiedliche Geräte, Betriebssysteme und Konfigurationen, da die Tester ihre privaten Smartphones, PCs, Macs usw. verwenden.
  2. Unterschiedliche Anwender: Hohe Varianz an Anwendungskompetenz, da nicht alle Tester über das gleiche Wissen bezüglich Software und deren Handhabung verfügen.
  3. Kleiner Gerätepark: Der Auftraggeber muss nicht jede Art eines Devices vorhalten, um seine Software testen zu lassen.
  4. Ausschluss von Betriebsblindheit: Betriebsblindheit wird ausgeschlossen, da die Tester nicht am Entwicklungsprozess beteiligt sind.
  5. Promotion: Der Test kann als Promotion-Maßnahme dienen. So ist es beispielsweise vorstellbar, den Testern der Software Sonderangebote für das fertige Programm zu unterbreiten.
  6. Schnelligkeit: Aufgrund der großen Masse an Testern sind die Tests sehr schnell durchgeführt. Meist genügen 1 bis 3 Tage, um verwertbare Ergebnisse zu erhalten.

Nachteile

  1. Mehraufwand: Crowdtesting-Projekte müssen betreut werden, wodurch ein zeitlicher und personeller Mehraufwand für das Unternehmen entsteht.
  2. Unterschiedliche Tester-Kompetenz: Die Qualität der Testergebnisse ist sehr abhängig von der Kompetenz der Testgruppe.
Anmerkung:

Der zweite Punkt lässt sich durch eine geschickte Vorauswahl umgehen. Dazu werden beispielsweise allen testwilligen Personen für den Test relevante Fragen gestellt. Bei korrekten Antworten kommen sie in die Testgruppe.

Testformen

Generell werden zwei Formen von Crowdtesting unterschieden: Functional-Testing und Usability-Testing.

Beim Functional-Testing wird die App, das Programm oder die Webseite auf Funktionstüchtigkeit überprüft. Gibt es etwa Programmierfehler, die zu Abstürzen führen? Auch fehlerhafte Darstellung oder lange Ladezeiten gehören dazu. Selbst rechtlich bedenkliche Dinge wie etwa ein fehlendes Impressum können bei dieser Testform ausfindig gemacht werden.

Hier sind deshalb technisch versierte Tester in der Crowd unabdingbar.

Das Usability-Testing kümmert sich um die Bedienbarkeit der Software. Dabei geht es etwa um die Verständlichkeit der Programmoberfläche oder die Bedienbarkeit. Unvoreingenommene Tester sind hier wichtig. Technisches Hintergrundwissen spielt eine geringe Rolle, vielmehr soll herausgefunden werden, ob das Nutzungserlebnis positiv ist.

Eine Kombination beider Formen in einem Test ist aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen an die Crowd schwierig zu realisieren – natürlich hängt dies aber auch immer vom konkreten Projekt ab.

Testportale

Die Softwarefirmen suchen für ihre Crowdtests die Tester in der Regel nicht selbst. Sie wenden sich an darauf spezialisierte Portale. Dort können sich Nutzer registrieren, die für die Tests einen Verdienst erhalten.

Da nicht jeder Test für jeden registrierten Tester geeignet ist, erlauben es die Portale, die Zielgruppe einzuschränken. Hierfür gibt es unterschiedliche Methoden, die vom jeweiligen Portal abhängen.

Bei der Auswertung der Testergebnisse kann das Portal ebenfalls helfen. So offerieren alle bekannten Anbieter einen sogenannten Managed Service. Der unterstützt den Auftraggeber dabei, das Nutzerfeedback einzusammeln und auszuwerten.

Crowdtesting ist eine sinnvolle Ergänzung zu Inhouse-Tests

Mittels Crowdtesting können Fehler auf extrem vielen Gerät-Betriebssystem-Kombinationen ausfindig gemacht werden. Auch Bedienprobleme oder für den Nutzer unklare Funktionen lassen sich so ausfindig machen. Es ist damit die ideale Form des Betatests. Allerdings kann Crowdtesting nicht die systematischen Inhouse-Tests ersetzen, sondern diese nur ergänzen.