Open Innovation – externe Einflüsse für mehr Innovation

Mit Open Innovation wird eine Strategie bezeichnet, bei der externe Quellen hinzugezogen werden, um Innovationen im Unternehmen zu schaffen. So können beispielsweise Kunden oder Lieferanten neue Ideen für Produkt- und Serviceoptimierung liefern. Auch neue Dienstleistungs- und Geschäftsmodelle lassen sich dank dieser Strategie entwerfen. Open Innovation führt schneller zu neuen Ideen und besserer Kunden- und Partnerintegration. Außerdem vermindert es das wirtschaftliche Risiko eines Flops.

Open Innovation – Begrifflichkeit und Herkunft

Open Innovation ist englisch und bedeutet übersetzt „offene Innovation“. Im Deutschen wird auch von „Öffnung des Innovationsprozesses“ gesprochen. In der Regel wird der englische Begriff aber nicht übersetzt, sondern genauso im Deutschen genutzt.

Den Begriff Open Innovation führte Henry Chesbrough im Jahr 2003 mit seinem Buch „Open Innovation: The new imperative for creating and profiting from technology“ ein. Er ist Professor und Fakultätsdirektor des Garwood Centre for Corporate Innovation in der Haas School of Business an der Universität von Kalifornien. Die Idee hinter dem Konzept reicht bis in die 1960er Jahre zurück.

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Drei Prozesse

In „Open Innovation. Die Öffnung des Innovationsprozesses erhöht das Innovationspotential.“ von O. Gassmann und E. Enkel benennen die Autoren drei Kernprozesse, in die das Konzept untergegliedert werden kann:

1. Outside-In-Prozess

Beim Outside-In-Prozess bringen Lieferanten, Kunden oder externe Partner wie beispielsweise Universitäten ihr Wissen in den Innovationsprozess ein. Durch diesen Prozess wird das Risiko eines Flops der Innovation minimiert.

2. Inside-Out-Prozess

Bei diesem Prozess wird Wissen, das in einem Unternehmen geschaffen wurde, nach außen getragen. Das kommt immer dann vor, wenn der Erfinder der Innovation diese nicht selbst realisieren will oder kann. Gegen Lizenzgebühren können aber andere Unternehmen die Innovation nutzen, um eigene Produkte herzustellen.

Ein Beispiel dafür ist „Windows Mixed Reality“. Das Konzept (Innovation) der Virtual-Reality-Brille wurde von Microsoft entwickelt. Die Umsetzung der Innovation in Hardware übernehmen andere Firmen wie Dell, Samsung oder HP.

3. Coupled-Prozess

Der Coupled-Prozess verbindet die beiden eben genannten Prozesse. Dadurch lassen sich Standards auf den Märkten etablieren bzw. Märkte aufbauen. Ein Beispiel dafür ist das Betriebssystem Android, das frei genutzt werden kann. Innerhalb kürzester Zeit baute sich darum ein riesiger Markt auf.

Vor- und Nachteile von Open Innovation

Vorteile:
  • Kosten für Forschung und Entwicklung reduzieren sich
  • Potenzial der Entwicklungsproduktivität steigt
  • Kunden werden sehr früh in Entwicklungsprozess eingebunden, damit bessere Kundenausrichtung
  • Virales Marketing lässt sich noch während der Produktentwicklung anstoßen
  • Interne und externe Innovationen führen zu Synergien
Nachteile:
  • Informationen dringen nach außen, die ggf. nicht dafür gedacht sind
  • Verlust des Wettbewerbsvorteils aufgrund der Offenlegung von Ideen/Innovationen
  • Möglicher Kontrollverlust über preisgegebenes Know-how
  • Unternehmen müssen sich teilweise völlig neu ausrichten, um mit Open Innovation richtig umzugehen

Crowd

Open Innovation setzt in vielen Bereichen auf die Crowd. Hier lassen sich sehr schnell sehr viele Menschen ansprechen. Auf virtuellen Plattformen können so innerhalb kürzester Zeit Aufgaben rund um den Innovationsprozess erledigt werden. Das kann beispielsweise bei einer neuen Software die Fehlersuche oder die Optimierung der Bedienbarkeit sein. Auch lassen sich so sehr einfach Umfragen zu Bedürfnissen potenzieller Kunden durchführen.

Formen der Open Innovation

Gesetze

Regierungen können Gesetze erlassen, die den Austausch zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen wie etwa Universitäten fördern. Auch gezielte finanzielle Unterstützung durch den Staat kann Partnerschaften von Wissenschaft und Industrie vorantreiben.

Produktplattforming

Bei dieser Form wird ein unfertiges Produkt den Nutzern zur Verfügung gestellt. Außerdem erhalten sie Werkzeuge, um es ihren Bedürfnissen entsprechend anzupassen bzw. weiterzuentwickeln.

Besonders bei Software wird dieses Vorgehen genutzt. So werden etwa Schnittstellen oder Entwickler Kits bereitgestellt, die es den Nutzern ermöglichen, eigene Funktionen einfach zu implementieren.

Wettbewerbe

Es werden Ideen durch Wettbewerbe gefördert. Das kann beispielsweise ein Hackathon sein. Dabei wird eine Vielzahl an Ideen sehr kostengünstig generiert. Natürlich lassen sich auch andere Formen an Wettbewerben ausrufen, die Ideen von der Gemeinschaft fordern und fördern.

Kundeneinbeziehung

Kunden lassen sich ebenfalls in den Innovationsprozess einbeziehen. Etwa lassen sich Designvorschläge durch Umfragen bewerten. Auch die Bedienbarkeit/Anwendbarkeit eines Produktes kann durch Kunden vorab getestet werden.

Innovationsnetzwerke

Ähnlich wie beim Wettbewerb wird durch ein Netzwerk Innovationspotential gefördert. Die zum Netzwerk gehörenden Teilnehmer arbeiten beispielsweise beim Testen mit. Auch Probleme können an das Netzwerk ausgegeben werden. Die besten Lösungsvorschläge lassen sich prämieren, um Anreize zu bieten.

Closed Innovation im Gegensatz zur Open Innovation

Die Closed Innovation ist ein Konzept, bei dem das Unternehmen die Innovation selbst entwickelt. Die Idee wird dort generiert, genauso wie die Umsetzung, Vermarktung usw. im Unternehmen stattfindet. Damit bleiben Know-how, Technologie, Prozesse und geistiges Eigentum im Unternehmen. Die Vorteile der Closed Innovation entsprechen den Nachteilen der Open Innovation.