Crime & Crowdsourcing – die Crowd als Ermittler

11.05.2011

Schon 12 Jahre ist es her, dass die Leiche des 41-Jährigen Ricky McCornick aus Missouri, USA, in einem Kornfeld gefunden wurde. Offensichtlich handelte es sich um einen brutalen Mordfall. In der Hosentasche des Opfers wurden damals zwei mysteriöse Codes gefunden, die weder die Spezialabteilung des FBI, die „Cryptanalysis and Racketeering Records Unit“ (CRRU), noch die „American Cryptogram Association“ bis heute entschlüsseln konnten.

Dass Crowdsourcing nicht nur kreativ, sondern auch vor solch ernstem Hintergrund hilfreich sein kann, zeigen uns die neuesten Aktivitäten von Polizei und FBI. Denn jetzt veröffentlichte das FBI die besagten Codes in einer Crowdsourcing-Aktion mit dem Motto „Helfen Sie den Code zu entschlüsseln“ und schreibt damit Geschichte: Es ist das erste Mal, dass der Öffentlichkeit eine Aufgabe übertragen wird, bei der es darum geht, einen Verbrecher auf diese Art aufzuspüren. CRRU-Chef Dan Olsen gesteht: „Wir hatten schon eine Menge Ideen. Bisher hat uns aber keine zum Täter geführt. Jemand mit cleveren Augen könnte vielleicht mit einer brillanten neuen Idee um die Ecke kommen!“ Immerhin gehört der Mordfall McCornick zu den Top-ungelösten Fällen der USA. Das FBI hat mittlerweile eine eigene Website für die Crowdsourcing-Aktion eingerichtet, auf der man die Geschichte des Opfers und die bisherigen Ermittlungen nachlesen kann. Auf http://forms.fbi.gov/code kann sich jeder Hobby-Kryptologe selbst an der Entschlüsselung versuchen und Hinweise dazu einreichen.

Mittlerweile sind unzählige Hinweise beim FBI eingegangen. Einige glauben es handele sich um nichts weiter als kurze Notizen z.B. zu Autorouten, die das Opfer selbst geschrieben habe. (tun-se turn south east, rne-right north east) Mehrmals ging auch die Vermutung ein, Ricky McCornick habe mit Drogen gedealt und der Code bestünde aus Kundenadressen. Ein weiterer Hobby-Entschlüsseler vermutete, dass es sich um einen unfertigen Songtext handele, da viele Stellen rhythmisch klängen und sich sogar reimten. Eine weitere Vermutung besagt, der Autor des Textes könne Legastheniker gewesen sein, da die Auslassung verschiedener Buchstaben typisch für diese Krankheit sei. Viele konnten auch das Wort „place“ (Ort) entschlüsseln. Das FBI prüft derzeit diese Anhaltspunkte auf ihre Wahrscheinlichkeit.

Auch die deutsche Kriminalpolizei fahndet seit Kurzem über Facebook und nutzt damit die Hilfe der Community. Seit mittlerweile sechs Monaten sucht die Polizei Hannover nach der 20-Jährigen Cicek Ö. Bisher vergeblich. Als bundesweit erste Polizeibehörde mit einem Facebook-Auftritt vertraut die zuständige Kripo jetzt zusätzlich auch auf Hinweise der Facebook-Nutzer. Nach Angaben des Polizeipräsidenten Uwe Binias sei die Nutzung des sozialen Netzwerkes zunächst als Modellversuch für 6 Monate angelegt. In den ersten Wochen wurde der Suchaufruf mit dem Foto der Vermissten etwa 8.000 Mal von Nutzern auf die eigene Seite übernommen. Ein Polizeisprecher rechnete hoch: „Wenn man davon ausgeht, dass jeder 100 Freunde hat, dann wird das von rund 800.000 Leuten gesehen.“ Auf http://www.facebook.com/pages/Polizei-Hannover/133054050097807 werden außerdem auch Hinweise zu anderen ungelösten Fällen gesucht.